Musharraf: Weltweite Sorge über Atomkrieg unnötig

2. Juni 2002, 12:13
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Neue Reisewarnungen für Indien und Pakistan - USA wollen vermitteln

Islamabad/Neu-Delhi/Wien - Der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf hat Befürchtungen der Staatengemeinschaft vor einem Atomkrieg zwischen seinem Land und Indien wegen des Konflikts um Kaschmir zu zerstreuen versucht. Er halte Pakistan und Indien nicht für so unverantwortlich, die Grenze zu einem Atomkrieg zu überschreiten, sagte Musharraf am Samstag in einem Interview des US-Nachrichtensenders CNN. Wegen der anhaltenden Spannungen im Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan haben zahlreiche Länder ihren Bürgern die Ausreise aus bzw. Nicht-Reise nach Indien und Pakistan empfohlen, auch Österreich. Die UNO plant den Abzug der Angehörigen ihrer Mitarbeiter aus Pakistan.

Er gehe davon aus, dass keine Seite so unverantwortlich sein werde, den Konflikt bis zur atomaren Schwelle gelangen zu lassen, sagte weiter. "Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, man sollte über solche Dinge nicht einmal diskutieren, denn kein vernünftiger Mensch kann überhaupt nur daran denken, sich in einen nicht-konventionellen Krieg zu begeben - ganz gleich, wie hoch der Druck ist." Der pakistanische Militärmachthaber erklärte weiter, Pakistan habe einen Nichtangriffspakt mit Indien vorgeschlagen, damit es nicht zu einem Krieg komme. Ferner habe sein Land zu einer atomaren Abrüstung in Südasien aufgerufen, betonte der General.

Bekämpfung des Extremismus

Zugleich versicherte Musharraf, Pakistan werde den Extremismus weiter bekämpfen - eine zentrale Forderung nicht nur Indiens, sondern auch der USA. Indien wirft Pakistan vor, die Separatisten zu unterstützen, die grenzüberschreitend Anschläge im indischen Teil Kaschmirs und in Indien selbst verübten. Pakistan bestreitet das. Indiens Innenminister Lal Krishna Advani sagte unterdessen, Indien erwarte vom Nachbarland, dass dessen Worten Taten folgten.

Bei Anschlägen mutmaßlicher Separatisten mit Granaten im indischen Teil Kaschmirs starben seit Freitag zwei Zivilisten, mindestens 44 Personen wurden verletzt. In einer angeblichen Vergeltungsaktion wurde nach indischen Angaben ein Angehöriger der indischen Botschaft in Islamabad am Samstag von Unbekannten verschleppt. An der Demarkationslinie in Kaschmir gab es neue Scharmützel.

Reisewarnungen

Nach den USA, Großbritannien und Deutschland haben weitere Staaten, so auch Japan und Österreich eine Reisewarnung wegen der Spannungen zwischen Indien und Pakistan ausgegeben. Von Pakistan-Reisen werde "wegen möglicher terroristischer Anschläge und den momentanen Spannungen" abgeraten, im Falle Indiens seien Reisen in das Grenzgebiet "unbedingt zu vermeiden", heißt es auf der Homepage des Außenministeriums.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld will in der kommenden Woche versuchen, auf eine Vermittlung hinzuarbeiten. Der EU-Koordinator für Außenpolitik, Javier Solana, will nach eigenen Angaben demnächst ebenfalls nach Indien und Pakistan reisen. In einem Interview der "Bild am Sonntag" räumte er zugleich ein, dass er nur wenig Einflussmöglichkeit für die Europäische Union (EU) auf Indien und Pakistan sehe. US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte, der Ausreise-Aufruf an die US-Bürger sei ein ernster Hinweis auf die Besorgnis vor einem neuen Krieg in der Region. Zugleich rief Wolfowitz Indien zur Zurückhaltung auf.

Zu einer neuen Verwicklung kam es auf diplomatischer Ebene. Nach indischen Angaben wurde ein Angehöriger der indischen Vertretung in Islambad von Unbekannten entführt. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Neu-Delhi sprach von einer Vergeltungsaktion, nachdem ein pakistanischer Diplomat zuvor unter Spionageverdacht festgenommen worden sei. (APA/AP)

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