Streit um geraubten Obelisken dauert an

1. Juni 2002, 15:16
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Äthiopien bekräftigt Forderung nach Rückgabe

Addis Abeba - Äthiopien hat die Forderung nach der Rückgabe des Obelisken von Axum bekräftigt, der von den Truppen des faschistischen Diktators Benito Mussolini 1935 aus dem ostafrikanischen Land geraubt wurde. Kulturminister Teshome Toga warf der italienischen Regierung vor, das 2.000 Jahre alte Monument nicht hinreichend zu schützen. Das 24 Meter hohe Bauwerk, das nun in Rom steht, war in der vergangenen Woche von einem Blitz getroffen worden.

Überall in der Welt würden hohe Gebäude und alte Denkmäler vor Gefahren aus der Natur wie beispielsweise Blitzeinschlägen geschützt, sagte der Minister. "Aber die italienische Regierung hat nichts unternommen, um dieses antike Monument zu schützen." Er rief die Organisation für Afrikanische Einheit und andere internationale Organisationen dazu auf, den Druck auf Italien zu erhöhen, damit sein Land das Denkmal zurückerhält. (APA/AP)

Die äthiopische Regierung versucht seit Jahrzehnten vergeblich, den Obelisken zurückzubekommen. Italien hatte noch 1998 unter der damaligen Mitte-links-Regierung zugesagt, ihn zurückzugeben. Der Grenzkrieg zwischen Eritrea und Äthiopien verhinderte dies aber. Im vergangenen Jahr erklärte ein Vertreter der inzwischen an die Macht gekommenen Regierung Berlusconi aber, der Obelisk bleibe vorerst in Italien. Alles, was Jahrzehnte lang im Land sei, sei naturalisiert und damit italienisch. Die Rückgabe wäre auch deshalb nicht angebracht, weil der Obelisk inzwischen zu zerbrechlich sei.
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