13 lebenslängliche Haftstrafen wegen Falcone-Mord aufgehoben

1. Juni 2002, 15:11
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Prozesse müssen neu aufgerollt werden

Palermo/Rom - Das italienische Kassationsgericht hat 13 lebenslängliche Haftstrafen gegen Cosa-Nostra-Bosse aufgehoben, die vor zehn Jahren den Mord an Mafia-Fahnder Giovanni Falcone in Auftrag gegeben haben sollen. Die Prozesse müssen nun neu aufgerollt werden. Der Spruch der Kassationsrichter löste in Italien heftige Reaktionen aus. "Dieses Urteil wird noch zu diskutieren sein", meinte der Mailänder "Corriere della Sera" am Samstag.

Eine Urteilsbegründung liegt zwar noch nicht vor. Medienberichten zufolge kamen die Kassationsrichter aber zur Auffassung, dass die 13 Bosse an der entscheidenden Sitzung der sizilianischen Cosa-Nostra- Spitze, bei der die Ermordung Falcones entschieden wurde, nicht teilgenommen hatten. Ein Mafia-Kronzeuge hatte behauptet, bei wichtigen Entscheidungen müsse jedes einzelne Mitglied der "Cupola" (Mafiaspitze) persönlich zustimmen.

Empörung

Die Urteile gegen 21 weitere Mafiosi, die das Verbrechen seinerzeit ausführten, bestätigte das Kassationsgericht. Bei dem spektakulären Sprengstoffanschlag bei Palermo auf das Auto Falcones kamen 1992 auch seine Frau und drei Bodyguards ums Leben.

Empörung löste auch ein Formfehler des Berufungsgerichts in Palermo aus, der dazu führte, dass 8 verurteilte Mafia-Killer freigelassen werden mussten. Zwar hatte ein Gericht in erster Instanz eine lebenslänglich Haftstrafe verhängt. Doch anschließend hätten es die Richter versäumt, den Bescheid über eine weitere Inhaftierung bis zum Urteil in höherer Instanz fristgerecht zu unterschreiben. (APA/dpa)

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