Junggeier, kein Sturzflug

2. Juni 2002, 09:00
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Bartgeier sollen in den Alpen wieder heimisch werden

Salzburg - Zwei junge Bartgeier wurden am Freitag im Salzburger Teil des Nationalparks Hohe Tauern in die Freiheit entlassen. Aber die rund fünf Kilogramm schweren Jungvögel "Ambo" und "Franz" - es standen die Österreichischen Lotterien und Salzburgs Landeshauptmann Franz Schausberger (VP) Pate - können trotz einer Flügelspannweite von etwa zwei Metern noch nicht fliegen. Sie wurden vorerst in eine Felsnische gesetzt und sollen zunächst weiterhin - verdeckt - gefüttert werden.

Bartgeier-Freilassungen sind alljährlicher Höhepunkt des Wiederansiedelungsprojektes. Sie wird vom Verein Eulen- und Greifvogelschutz Österreich in Kooperation mit dem Nationalpark, dem WWF, dem Tiergarten Schönbrunn, dem Alpenzoo Innsbruck und der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft durchgeführt.

Bartgeier waren im Alpenraum lange Zeit heimisch. Allerdings waren sie über Jahrhunderte hinweg Opfer von Schauergeschichten, wonach sie nicht nur über einzelne Schafe herfielen, sondern überdies noch oft und gerne ganze Schafherden über Klippen in den Tod hetzten. Auch angenagte Kinderschädel sollen in den Nestern der früher als "Lämmergeier" bekannten Bartgeier gefunden worden sein.

Dass an alldem kein Qäntchen Wahrheit ist - als "Beweis" für die angeblich "unbändige Lust, im Blute seiner Opfer zu baden", diente etwa das rote Federkleid des Bartgeiers - , hinderte die Bevölkerung - insbesondere Hirten und Jäger - nicht daran, sich über Jahrhunderte hinweg mit großem Eifer der systematischen Ausrottung der Bartgeier zu widmen.

1880 wurde in Kärnten der letzte Bartgeier abgeschossen. Seit 1986 wird versucht, Bartgeier in den Alpen wieder anzusiedeln. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 6. 2002)

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