"Walser ist ein alter Knacker"

4. Juni 2002, 11:05
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Von "Die Welt"

Eine Wortspende des grünen Europa-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit Dass Schriftsteller Kritiker verschwinden lassen wollen, liegt in der Natur der Sache. Wäre Walser ein zwanzigjähriger Punk, würde ich sagen: Das gehört zum Leben. Aber Martin Walser ist ein alter Knacker.

Ich habe "Tod eines Kritikers" nicht gelesen. Aber wenn ich an den letzten Roman denke, "Ein springender Brunnen" über eine Kindheit unter den Nazis, wo er meiner Meinung nach eine völlig verquere Darstellung des Holocaust gewählt hat, frage ich mich: Was will Walser eigentlich? Wo will er hin?

Er darf jeden in die Kritik nehmen. Aber Walser sollte sich auch einmal mit seiner total ideologischen Vergangenheit auseinander setzen: Es sind ja nicht nur die jüngsten Romane, es ist nicht nur die Friedenspreis-Rede. Man darf auch nicht vergessen, dass er ein Mitstreiter des Kommunismus war zu dessen schlimmster Zeit.

Es gibt in Deutschland eine Tendenz, die mich tief beunruhigt. Es ist dieses "man darf doch mal", "man wird doch noch sagen dürfen". Das ist der Beginn einer völlig verqueren Argumentation. ("Die Welt" - DER STANDARD, Print, Sa./So., 1.06.2002)

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