"Was entgegenkommt, wird niedergemacht"

1. Juni 2002, 14:38
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Ex-Volksanwalt Nikolaus Schwärzler bricht eine Lanze für die Wehrmachtsausstellung

Bregenz - "Unser Angriff ist auf 29. 6. 41 morgens um vier Uhr festgesetzt. Es gibt keine Gefangenen, sondern was entgegenkommt, Zivil oder in Uniform, wird niedergemacht." Dieser und Sätze ähnlichen schrecklichen Inhalts finden sich im Fronttagebuch des Vorarlberger Webers Johann Schwärzler, bis zu seinem Tod 1943 Gefreiter der Deutschen Wehrmacht. Sein Neffe Nikolaus Schwärzler, Landesvolksanwalt in Ruhe, hat die Notizen im Dachboden aufgestöbert und stellt Interessierten Kopien zur Verfügung. Er verlangt Geld für das Zeigen der Wehrmachtsausstellung in Vorarlberg.

"Die Aufzeichnungen belegen unzweifelhaft, dass es Befehle gab, die eindeutig völkerrechtswidrig waren, von welcher Befehlsebene auch immer sie ausgegangen sind." Der Jurist will mit seinem Gang an die Öffentlichkeit "erreichen, das über Unrecht nachgedacht wird". Nikolaus Schwärzler appelliert an die Politik, die Wehrmachtsausstellung in Vorarlberg zu ermöglichen.

"Im Unterschied zu vielen Politikern und Leserbriefschreibern habe ich beide Fassungen dieser Ausstellung besucht." Die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" sei keine Verteufelung der Soldaten, zeige aber deutlich "die Einbindung der Wehrmacht in ein verbrecherisches Regime".

Der Vorarlberger Landtag sprach sich im Vorjahr mit 29 zu sieben Stimmen gegen eine Finanzierung der Wehrmachtsausstellung aus. Landtagspräsident Manfred Dörler (VP): "Jeder kann die Ausstellung nach Vorarlberg holen, es wird aber keine öffentlichen Mittel dafür geben." Die Historikervereinigung Johann-August-Malin-Gesellschaft sah sich dazu aber ohne Subventionen nicht in der Lage. Die Grünen hatten im Vorjahr zur Konsensfindung einen Besuch der Wehrmachtsausstellung in Berlin vorgeschlagen. Was ebenfalls von der Mehrheit abgelehnt wurde. (jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 6. 2002)

"Verbrechen der Wehrmacht", die Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung, wird nach Wien und Leipzig vom 8. Oktober bis zum 24. November 2002 im Münchner Stadtmuseum gezeigt.
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