Sterben und Lachen

2. Juni 2002, 11:35
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Bestattungsserie "Six Feet Under" beschert US-TV Quotenhöhen

Den Footballspieler trifft der Hitzschlag, der Bäcker stürzt in einem unachtsamen Moment in den Teigmixer, ein älterer Herr schläft im Autobus ein und wacht nicht wieder auf; wie Menschen zu Tode kommen können - am Ende haben sie in diesem Falle eines gemeinsam: Sie alle sind Kunden des Bestattungsunternehmens "Fisher and Sons", mit Firmen- und Wohnsitz in Los Angeles.

"Six Feet Under" heißt der jüngste Quotenhit des amerikanischen Pay-TV HBO ("The Sopranos", "Sex and the City"). Sonntag Abend läuft die letzte Folge der zweiten Staffel, soeben hat der zu Time Warner gehörende Sender - freilich nicht unerwartet - eine dritte in Auftrag gegeben: Bis zu sieben Millionen Zuschauer versammelt die makabre Familie Fisher seit 2001 Woche für Woche vor den Fernsehgeräten, für einen Pay-TV-Sender sensationell.

Das Leben kann härter sein als der Tod

Hollywood war es bisher gewohnt, Tod und Sterben im Allgemeinen entweder durch entpersönlichte Gewalt oder hoffnungslose Rührseligkeit abzuhandeln, nur selten allerdings mit Humor. Die Fishers sorgen dafür, dass die Toten "sechs Fuß unter der Erde" landen, befinden sich aber selbst in dauernden Schwierigkeiten mit den Lebenden. Die neurotische Mutter, der (un)tote Familienpatriarch, zwei Söhne, davon einer homosexuell, und eine Crack rauchende Tochter führen augenzwinkernd vor, dass das Leben mitunter härter ist als der Tod. Selbst nach den traumatischen Fernsehbildern des 11. September ist der Erfolg der Serie ungebrochen.

Die Idee stammt von Alan Ball, einem der wenigen geouteten Homosexuellen unter den hoch dotierten US-Regisseuren. Er hat offenbar kosmopolitischen Sinn für makabre Scherze: "American Beauty" und die Sitcom "Cybill" (mit Cybill Shepherd), für die Ball die Drehbücher schrieb, waren auch hierzulande erfolgreich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 1./2. Juni 2002)

Von Doris Priesching

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www.hbo.com

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