Österreichische WissenschafterInnen in den USA haben sich vernetzt

3. Juni 2002, 18:43
posten

Neu gegründeter Verein zum Informationsaustausch im institutionellen Rahmen

Washington - Österreichische Wissenschafterinnen und Wissenschafter in den USA haben am Wochenende einen Verein gegründet: Über "ASciNA" ("Austrian Scientists in North America") wollen sich die Forscher künftig gegenseitig unterstützen und den Kontakt mit Wissenschafts- und Wirtschafts-Institutionen in Österreich aufrechterhalten. "ASciNA" soll sowohl bei der Information über Post-Doc-Stellen helfen als auch Infos über Gebrauchtwagen vermitteln", fasste Florian Brody, Lehrender über Digitale Medien und Electronic Publishing in San Francisco, die breite Zielsetzung des Vereins zusammen. Die Initiative wurde vom Wissenschaftsattache an der österreichischen Botschaft in Washington, Philipp Steger, gestartet und wird von bisher mehr als 300 österreichischen Wissenschaftern an US-Universitäten getragen.

Persönliche Erfahrungen

Rund 40 Vertreter verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen, etwa Chemiker, Mathematiker, Mediziner und Genetiker an so renommierten US-Universitäten wie Harvard, Stanford und vom National Institute of Health trafen sich am Wochenende in der österreichischen Botschaft, um gemeinsame Interessen zu formulieren. Bei den Gesprächen wurde aber auch Kritik am österreichischen Wissenschaftsbetrieb laut. Der Chemiker Alexander Schwartz, der in Harvard in einer interdisziplinären Forschungsgruppe mitarbeitet, erzählte, dass sein Ansuchen auf ein Stipendium für den USA-Aufenthalt in Österreich zwei Mal abgelehnt wurde - nun wird er durch Harvard finanziert, um seine Mitarbeit im Team zu ermöglichen.

Eher abschreckend sind auch die Erfahrungen der Mathematikerin Ruth Pfeiffer. Als sie sich nach der in den USA abgeschlossenen Ausbildung um eine Assistentenstelle in Wien bewarb, bekam sie als Höchstqualifizierte zwar ein Angebot. Allerdings wurde ihr dort nur die Hälfte ihres bisherigen Gehalts in den USA geboten und auf die Entscheidung zur Anrechnung der Vorarbeitszeiten hätte sie bis zu einem Jahr warten müssen. Pfeiffer blieb in den USA und ist heute am National Institut of Health (NIH) am Institut für Krebsforschung tätig. Positiv bewertet sie, dass in den USA sexistische Bemerkungen gegenüber Frauen absolut verpönt sind - bei den in Österreich oft üblichen Macho-Sprüchen würde an einer US-Universität sofort eine Klage wegen sexual harrassment folgen.

Beziehungsgeflecht sticht

Die Auslandserfahrung werde oft in Österreich nicht genügend anerkannt, meinte auch Boris Mizaikoff, der sich an der TU Wien habilitierte und nun als Chemieprofessor am Georgia Institute of Technology in Atlanta tätig ist. Beim Wunsch nach einer Rückkehr seien die meisten Stellen "blockiert" und die Beziehungen der "Daheim-Gebliebenen" scheinen oft stärker zu zählen als ein Auslandsaufenthalt. Dieses Paradoxon, dass zunächst der Weg ins Ausland von österreichischer Seite gefördert wird, sobald die Österreicher aber einmal in den USA sind, sie als "verlorene Investition" gelten und kaum jemand ernsthaft an einer Rückkehr interessiert ist, soll "ASciNA" durch stärkere transatlantische Vernetzung auflösen, wünscht sich Wissenschaftsattache Steger. Der Verein will sich auch bei den Technologie-Gesprächen in Alpbach sowie bei den Wissenschaftstagen in Steyr präsentieren.

Auch der Kontakt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll geknüpft werden. Der österreichische Handelsdelegierte in New York, Bruno Freytag, betonte bei der Tagung die Bedeutung eines "Wissenspools" und das Interesse der Wirtschaft, sich an österreichische Experten auf dem jeweiligen Gebiet in den USA wenden zu können. Wenn die Daten aller derzeit über 300 im Netzwerk aktiven österreichischen Wissenschafter über eine eigene Homepage direkt abrufbar sind, könnte dies für österreichische Unternehmen bei der gezielten Suche nach neuen Führungskräften, Experten für Gutachten oder Partnern für Projekte sehr hilfreich sein. (APA)

Share if you care.