+++PRO & CONTRA--- Herrenhandtasche

6. Juni 2002, 13:37
1 Posting

Das Accessoire für Männer, richtige Männer, unter 60, oder Endstadium einer unpraktischen Form von Globalisierung?

+ + + PRO

Doris Krumpl

Manchmal kann in der Geschäftswelt die krampfhafte Suche nach neuen Möglichkeiten auch tatsächlich im Sinne der Gerechtigkeit ausarten. Wie man den Leuten Geld aus der Tasche zieht. Indem man es aus der Herrenhandtasche zieht. Der Markt rächt sich an der "Natur" mit der großflächigen Wiederbelebung der Spezies Herrenhandtasche, auch für Männer, richtige Männer, unter 60.

Eine Einführung im Sinne der Emanzipation. Denn bis dato blickten Frauen neidvoll auf die zig Innen- und Außentaschen von Sakkos und Jacken des starken Geschlechtes, um leidvoll auf die eigenen, besonders bei Tanzveranstaltungen und in Lokalen sich als überdrüssige, diebstahlgefährdete Anhängsel gerierenden Ungetüme zu blicken, in denen man seine ebenso unaufgeräumte Zweitwohnung unterbrachte.

Und jetzt sollen die Männer auch so ein Trum durch die Gegend führen, beim Sitzen auf ihre mächtigen Oberschenkel legen, von mir aus mit ihnen wippen - wofür der hundsgemeine Volksmund gerne das Wort Schwulenschleuder parat hält. Ja, sollen sie doch, obwohl keine Handtasche für alle die beste Lösung wäre. Doch die Industrie und bei Frauen wohl auch die Anatomie sind erbitterte Feinde dieses Verzichts. Die Gesellschaft wird zunehmend femininer, meinte Joop kürzlich. Obwohl er noch keine Handtasche trug. Und um der Verschwörungstheorie Rechnung zu tragen: Meine Herren! Wenn sie beim nächsten Sakko-, Hemd-, Mantel-oder Jackenkauf die vielen praktischen Innen/Außentaschen vermissen, dann wissen sie den Grund.

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- - - CONTRA

Christian Hackl

Männerhandtaschen sollen praktisch sein. Praktisch ist maximal ein dickes Bankkonto, da ich keines habe, brauche ich auch keine Männerhandtasche (vulgo Schwuchtelschleuder). Natürlich hatte ich einmal eine, das muss 25 Jahre her sein. Freilich konnte ich nichts dafür, meine Mutter hat sie mir geschenkt. Zum Namenstag. Sie war aus Jeansstoff. "Alles Gute, Grunzi" hat sie gesagt (sie nennt mich heute manchmal noch Grunzi), "das ist praktisch, da kannst du alle deine Sachen rein tun." Ich war perplex, halbseitig gelähmt, stammelte: "Sehr praktisch." Am selben Abend habe ich die Handtasche im Wirtshaus liegen gelassen, im Nachhinein ist mir klar: Es geschah praktisch aus voller Absicht. Sie war natürlich leer. Vermutlich liegt sie immer noch dort (Espresso Erna?). Meine Mutter wollte wissen, wie der erste Ausflug mit der Schleuder war, ich sagte "bitter". Sie meinte, ich bekäme keine neue, weil ich schlicht zu dumm für so was bin. Grunzi wäre ihr gerne um den Hals gefallen, hat es unterlassen, das hätte zu Missverständnissen geführt.

Bündelt man seine Wertgegenstände (Geld, Ausweis, Wohnungsschlüssel, Autoschlüssel, Haarbürste) an einem Ort, kann das in einer unpraktischen Form von Globalisierung enden. Wird nämlich die Schleuder gestohlen oder liegen gelassen (wahrscheinlicher als Diebstahl), ist alles weg. Identität, Auto, Wohnung, Frisur. Abgesehen davon hat der liebe Gott dem Manne nicht zwei Hände gegeben, damit er eine blockiert.

derStandard/rondo/31/5/02

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