Lösung der anderen Dimension

5. Juni 2002, 00:13

Wie Schwierigkeiten im Alltag sich von kraftraubenden "Schwarzen Löchern" in produktive "Wurmlöcher" verwandeln können - Teil 6

Immer wieder begeben wir uns bei Schwierigkeiten im Alltag auf die Suche nach Verantwortlichen dafür. Wenn wir sie nicht in der Gegenwart finden, dann klappt das mühelos mit Ereignissen der eigenen Vergangenheit. Sie entlasten uns, nehmen die Schuld von uns, wir können ja nichts dafür - und werden freiwillig zu Opfern unserer Umwelt. Ist Ihnen bewusst, wie viel Zeit und Energie Sie für Rechtfertigungen oder die Suche nach Schuldigen verschwenden? Angefangen bei dem ungerechten Mathematik-Lehrer, der noch heute verhindert, dass man die persönliche Buchhaltung im Griff hat, bis zu den Zeitdieben, die Schuld am täglichen Stress tragen.

Die Macht des schlechten Gewissens

Unsere abendländische Kultur ist leider geprägt vom Defizitdenken und der Macht des schlechten Gewissens. Wenn aber Energie da ist, nach Sündenböcken zu forschen, dann kann diese Energie auch eingesetzt werden, um die nervende Situation zu verändern. Bei Rechtfertigungen verschwindet diese Kraft in einem "Schwarzen Loch", bleibt unproduktiv und schwächt durch die Opfer-Einstellung. Was wäre, wenn aus diesem "Schwarzen Loch" ein "Wurmloch" werden könnte, dass uns in eine andere Dimension katapultiert?

Hilfe zur Selbsthilfe

Coaching kann so ein "Wurmloch" erzeugen. An die Stelle von vergangenheitsorientierten Defizitdenken tritt zukunftsorientiertes Ressourcendenken. Das wichtigste Coaching-Prinzip ist Hilfe zur Selbsthilfe: Wie ein variabler Vergrößerungsspiegel eröffnet der Coach neue Perspektiven. Die Partnerin erkennt darin selbst am besten Stärken, Potenziale und Lösungsansätze. Mit kreativen Fragen wird die Aufmerksamkeit in das zukünftige Lösungssystem gelenkt und somit die Bereitschaft für Veränderungen gefördert. So löst man sich vom Problem und entwickelt Lösungen.

Das Fragen-Repertoire ist vielfältig: Woran werden sie erkennen, dass sich das Problem gelöst hat? Was könnten Sie mit der Zeit und den Ressourcen anfangen, die bisher das Problem gekostet hat? Oder auch die sogenannten Wunderfragen: „Wenn Ihnen in der Nacht jemand heimlich das Problem stehlen würde, woran würden sie das am Morgen merken? Was wäre anders? Was wäre dann noch möglich? Wer würde es merken? Worüber würden Sie beim Frühstück sprechen?“

Probleme mit Humor lösen

Kreativität, Irritationen, Bilder und Metaphern und nicht zuletzt Humor nehmen den Problemen die Schwere und erleichtern Lösungen. Der externe Blickwinkel des Coaches und dessen differenziertes Feed-back verschaffen Distanz. Durch die zusätzlichen Perspektiven und Betrachtungen werden Funktionalitäten von Problemen erkannt, die durch vergleichbares Positives im Lösungssystem ersetzt werden müssen.

Der Fokus liegt dabei auf der Stärkung der Stärken, den eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des Beziehungsnetzwerks und der Nutzung vorhandener Ressourcen. Der Rahmen und Kontext der Betrachtung wird geändert, wodurch oft Nachteile in Chancen mutieren. Teufelskreise selbst erfüllender Prophezeiungen werden so geknackt. Unheilvolle Täter-Opfer-Beziehungen werden als kreisende Beziehungssysteme analysiert. Das nimmt die Ohnmacht: Die Veränderung jedes einzelnen Knotens bewirkt, dass sich das Netzwerk neu ausbalanciert.

Wirklichkeit ist, was wirkt. Sie ist damit gestaltbar. Eine Veränderung der Sichtweise kann oft schon die Lösung sein.

Autorin Monika Herbstrith ist Unternehmens-
beraterin und Geschäftsführerin ihres Consulting-
Unternehmens "Impuls&Wirkung".
In ihrer monatlichen Kolumne unterstreicht sie die wertvollen Fähigkeiten, die Frauen in Unternehmen mitbringen können - wenn man sie nur lässt.

Kontakt:
wirkung@impuls.at

impuls.at

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