Faseln vom Duster der Nacht

11. Juni 2002, 21:06
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Albert Ostermaiers Monolog "Radio noir" im Burgtheater-Vestibül

Du, liebes Theater, magst deine Gliedmaßen verrenken, denn was bleibt, stiften die Dichter. Der bayerische Ersatz-Orpheus Albert Ostermaier reitet in seinem Monolog "Radio noir" auf den Wellen des Äthers. Er schlägt statt der Leier den Laptop. Der stygische Fluss wirft dabei dicke Soundblasen: Die Kulturindustrie leitet ihre Abwässer, den schaumigen Phrasendreck vom riskierten Leben in den urbanen Selbsterlebniszonen, in dieses schnöde Dichten vom behaupteten Ernstfall: ein unentwegt säuselndes, hübsch zeilenumbrechendes, wild zappendes Faseln vom Duster der Nacht.

Burg-Dramaturg Wolfgang Wiens hat den Schmonzes in einem Eierkartonstudio "szenisch eingerichtet", komplett mit Berufsjugend-Sound und Wolkenkratzertapete. Dunja Sowinetz gibt die drohend züngelnde Nighttalkerin am News-Stammtisch, für Gelehrte: die Sirene Parthenope, beim Rundruf an die Modernitätsverlierer im Medien-Kiez - Zappen, duster.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 5. 2002)

Von
Ronald Pohl

Burgtheater- Vestibül,
Wien 1.,
Dr.-Karl-Lueger- Ring 2,
(01) 514 44-4440.
20.00
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