"Partygirl."

15. Februar 2003, 01:11
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Der Versuch, Leere mit Leere zu füllen - der neue Roman von Marlene Streeruwitz

"Den Verlust zu Gier im Bett wandeln. Und den Verlust so vergessen. Keine Erinnerung an den Verlust. Dann hatte man keinen Verlust. Und keine Erinnerung. Dann konnte man sich leicht fühlen. Und unbeschwert in die nächste Erinnerung, die man dann nicht haben musste. Die sich selbst im ekstatischen Verlust auslöschte ... Sie würde nichts anderes haben als diese Liebschaften. Nichts anderes haben können. Sie sollte sich mehr fallen lassen. Hineinfallen lassen. Mehr zulassen, wie es kam. Sie musste doch etwas vom Leben haben. Vom Leben bekommen. Irgend etwas. Und den Männern reichte es ja auch ..." (Zitat aus Partygirl.)

Leiden an Männern. Aber nicht nur. Marlene Streeruwitz übt in "Partygirl." Patriarchatskritik nicht im Sinne einer platt gesellschafts-politischen, sondern vielmehr anhand einzelner männlicher Individuen, die zusammenschmelzen zu einem bedauerns- und verachtenswerten Konglomerat Mann. Da gibt es nur einen, der außerhalb steht. Irgendwie. Ihr Bruder Rick, denn auch an ihm leidet sie. Zimperlich ist die Sprache der Streeruwitz nicht. Eine notwendige "Derbheit" - nur sie vermag Realität real darzustellen - , um die Animalität der Männer wiederzugeben. Beispielsweise, wenn sie zurückschlagen und dazu schreien: "Du alte Brunzbutten".

Die Geschichte wird rückwärts erzählt, indem der Roman mit dem Ende beginnt. In dreizehn Stationen - beinahe könnte frau an den Kreuzweg denken - lädt sich die Gefühls- und Gedankenwelt einer Frau in 50 Lebensjahren aus. Reduzierte, stakkatoartige Sprache mit inhaltsschwerer Tiefe! Schwerstens zu empfehlen! (dabu)

Marlene Streeruwitz
Partygirl.
S. Fischer Verlag 2002
415 S. / EUR 20.50
ISBN 3-10-074426-8
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