Im Schatten des Schakals

13. Mai 2005, 13:48
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Hintergründe zu einem der bekanntesten Terroristen der Welt, des Venezolaners Carlos

Dieses Buch ist nur möglich geworden, weil die frühere Lebensgefährtin eines der bekanntesten Terroristen der Welt, des Venezolaners Ilich Ramírez Sánchez alias Carlos, ausgepackt hat. Der Autor wundert sich selbst darüber, dass die ausgestiegene Ex-Terroristin Magdalena Kopp ausgerechnet ihm das Vertrauen geschenkt hat.

Die Gespräche mit ihr und das Material, das Schröm über sechs Jahre zu diesem Thema gesammelt hat, waren die Basis für dieses Buch, das nicht allzu viel Vorwissen verlangt. Der Autor zeigt, dass Carlos sich nicht dem palästinensischen Freiheitskampf verschrieben hat, sondern ein geldgieriger, geltungssüchtiger Killer war. Er soll bis zu seiner Inhaftierung 1994 insgesamt 83 Menschen ermordet haben. Auch das Geheimnis des Spitznamens "Schakal", unter dem Carlos ebenfalls bekannt war, wird gelüftet. In einem Versteck in einer Londoner Wohnung wurde der Roman "Der Schakal" von Frederick Forsyth gefunden.

Hintergründe liefert das Buch in einem eigenen Kapitel zum Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien 1975, bei dem drei Menschen getötet wurden. Mehrfach nennt Schröm den Auftraggeber: Libyen. "Alle sicherheitsrelevanten Informationen über die Konferenz erhalten wir von Libyen. (. . .) Von denen erhalten wir auch alle Waffen, die in Wien für diese Aktion benötigt werden", zitiert der Autor aus Gesprächen der involvierten Terroristen. Detailliert schildert er die Vorbereitungen der Terroristen auf das Attentat in Wien.

Das Buch ist von der ersten Seite an spannend geschrieben. Schade ist nur, dass manchmal zwanghaft ein Vergleich zu den Anschlägen des 11. September 2001 hergestellt wird. (Der Standard, Printausgabe, Alexandra Föderl-Schmid)

Oliver Schröm
Im Schatten des Schakals. Carlos und die Wegbereiter des internationalen Terrorismus.
Chr. Links
Berlin 2002
344 S./18,02 Euro
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