Über die Wirklichkeit einer Subkultur

13. Mai 2005, 13:48
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Elektronische Verbrechen - Welche Motivation steckt hinter Virenprogrammierer, Raubkopierer oder Kopierschutzknacker?

Das Bild hat jeder im Kopf: Ein schicker, modisch gekleideter Einzelgänger sitzt am PC, tippt zwei oder drei verschiedene Passwörter ein. Mehr Versuche braucht er nicht, um die Datenbank zu knacken, die zu öffnen er sich im Dunkeln angeschlichen hat. Aber nicht nur klischeehafte Hollywoodfilme tragen zur Romantisierung von Computerkriminalität bei. Auch in den Medien werden diese Verbrechen oft sehr einseitig dargestellt, die Täter gern pauschal als Hacker bezeichnet. Obwohl es sich auch um Virenprogrammierer, Raubkopierer oder Kopierschutzknacker handelt.

Der Heise-Verlag versucht schon seit Jahren über die wahren Hintergründe der Informationstechnologie aufzuklären. Unter anderem in seinem elektronischen Magazin der Netzkultur, Telepolis genannt, das sich durch Texte über Meinungsfreiheit im Netz schon sehr verdient gemacht hat. Auch in diesem Band folgt man der Maxime, Themen im Detail zu beschreiben. Durch Antworten auf Fragen, die man sich gezwungenermaßen stellt, wenn man sich intensiver mit der "Subkultur des elektronischen Verbrechens" beschäftigt: Was motiviert jemanden, einen Virus zu programmieren? Wie organisieren sich Software-Raubkopierer? Wie rechtfertigen sie ihr Handeln, welche Beziehungen pflegen sie zu Sicherheitsfirmen und surfenden Strafverfolgern? Was bedeutet das in Medien oft gebrauchte Schlagwort "Infokrieg" tatsächlich? Warum rüsten die USA gegen Cyberterroristen?

Das Buch zeigt aber auch, wie schmal die Grenze zwischen Gesetzesverstoß und kultureller Innovation sein kann. Am Beispiel der Musiktauschbörse Napster - unlängst erst von Bertelsmann zur Gänze übernommen. (Der Standard, Printausgabe, Peter Illetschko)

Armin Medosch, Janko Röttgers (Hrsg.)
Netzpiraten. Die Kultur des elektronischen Verbrechens
Heise, Hannover 2001
189 S./15,41 Euro
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