Holocaust aus der "Generationen-Perspektive"

13. Mai 2005, 13:48
posten

Angehörige von drei Generationen - zwei Männer, eine Frau, alle Österreicher - stellen (sich) fünf "unbequeme Fragen"

Angehörige von drei Generationen, zwei Männer, eine Frau, alle Österreicher, stellen (sich) fünf "unbequeme Fragen" zum Holocaust, Judentum, zu Israel und zum Antisemitismus heute aus "bewusst nichtjüdischem" Blickwinkel. Selbst wenn die Autoren nicht Repräsentativität beanspruchen, markiert das Buch doch auch einen kulturellen Wandel.

Im Unterschied zu den "68ern", die mit kronfrontierenden Fragen an die Väter eine fällige Debatte initiierten, kam hier der Anstoß selbstreflexiv vom Ältesten, dem 86-jährigen gebürtigen Innsbrucker und frühren Militärarzt Max-Joseph Halhuber. "Katholisch-antijüdisch" geprägt, aber Nazigegner in der Jugend, stellt er sich dem "Dilemma", dass er "pflichtbewusst" als Soldat" gedient hat. Zum "Semitophilen" gewandelt, fragt er (sich): "Ob Nachgeborene ein solches Dilemma einer Generation nachempfinden können?"

Die "Generationen"-Perspektive, die ja in den Sozialwissenschaften an Terrain gewinnt, kennzeichnet auch den weitgehend autobiografischen Text von Anton Pelinka. Dieser macht nachvollziehbar, wieso er - "wohl unvermeidlich für einen 1941 geborenen Österreicher" - zunächst in "die Falle des Philosemitismus" geriet und als deutschsprachiger Sozialwissenschafter sich auch aus Mitverantwortung intensiv mit der nach wie vor nicht erklärbaren "Einmaligkeit des Holocaust" befasste, geprägt durch Sartres Ansatz, dass jüdische Identität wie keine zweite fremdbestimmt sei.

Symptomatisch ist, wie sich der Stellenwert des Verhältnisses zu Israel verschiebt: Für Halhuber eine "Gretchenfrage", für die 35-jährige Daniela Ingruber Zeichen einer "fälschlich vermuteten Andersartigkeit eines Staates". (Der Standard, Printausgabe, Benedikt Sauer)

Max-J. Halhuber, Anton Pelinka, Daniela Ingruber
5 Fragen an 3 Generationen
Antisemitismus und wir
Czernin/Wien 2002
142 S./19 Euro
Share if you care.