Der Star gewinnt in Rekordzeit

Fritz Neumann, 26. Mai 2002, 19:12

Moses Tanui absolviert die 42,195 Kilometer durch die Bundeshauptstadt am schnellsten - Siegerzeit: 2:10:25

Wien - Topfavorit Moses Tanui und die Ukrainerin Ludmilla Puschkina haben am Sonntag die 19. Auflage des Vienna City Marathons gewonnen. Der 36-jährige Superstar führte in 2:10:25 Stunden vor dem Debütanten Boaz Kimayo Kibet (2:10:35) sowie Barnabas Rutto Kipngetich (2:10:53) einen Triumph der Kenia-Läufer an, verfehlte aber den angepeilten Wien-Rekord seines Landsmannes Willy Cheruiyot aus dem Jahr 2000 (2:08:48) klar. Bei den Frauen setzte sich Puschkina in 2:32:03 vor der Kenianerin Jackline Jerotich (2:32:49) sowie Dagmar Rabensteiner, die mit 2:35:42 ihre ÖLV-Bestmarke egalisierte, durch.

Kein Spaziergang

Die 38-jährige Tirolerin mit Wohnsitz Wien, die diese Zeit bereits am 15. Oktober 2000 in Amsterdam gelaufen war, kam diese Marke in finanzieller Hinsicht teuer zu stehen, denn für einen neuen "Rekord" hätte sie einen Bonus von 7.267 Euro erhalten. Trotzdem trauerte Rabensteiner der fehlenden Sekunde nicht nach. "Es war natürlich kein Spaziergang, aber ein tolles Marathon-Erlebnis für mich und das ist mir am wichtigsten", erklärte die noch überaus frisch wirkende Internistin, die für die erste österreichische Podestplatzierung in Wien seit elf Jahren - Carina Weber-Leutner war 1991 Dritte geworden - sorgte und dafür mit 2.500 Euro Prämie belohnt wurde.

Tanui in Rekordzeit im Ziel

Tanui blieb mit der Siegerzeit von 2:10:25 drei Sekunden unter der Vorjahressiegerzeit des Portugiesen Luis Novo und schaffte damit einen Rekord auf der neuen Strecke. "Hauptsache das Comeback ist mir gelungen", freute sich der Triumphator der Boston-Marathons 1996 und 1998, dass er nach einer verkorksten Saison 2001 wieder den Weg zurück an die Spitze gefunden hat. Mit der Zeit war er eigentlich auch zufrieden, denn angesichts des starken Gegenwindes auf den ersten zehn Kilometern hatte er sich "nur" eine konservative 2:10 und den Sieg vorgenommen.

"Irrsinnig harter Kampf"

Seinen entscheidenden Angriff lancierte Tanui, der sehr vorsichtig angegangen und erst nach 17 Kilometern zur Spitzengruppe aufgeschlossen war, knapp vier Kilometer vor dem Ziel beim Anstieg auf der Erdbergstraße. "Es war ein irrsinnig harter Kampf mit meinen beiden Landsleuten. Ich habe eigentlich nicht gewusst, wo ich ansetzen soll, dass ich wegkomme. Doch auf einmal sind sie dann schwächer geworden und in diesem Moment habe ich attackiert", erzählte der zweifache Ex-Weltmeister, der nach dem schnellen Finish total ausgepowert war.

Wenisch 19.

Als bester Österreicher kam der Kremser Wien-Routinier Max Wenisch als 19. nach 2:26:17 ins Ziel. Damit war der 40-Jährige bereits zum siebenten Mal bester Österreicher im Vienna City Marathon. "Zwei Mal will ich hier noch starten, um auf zehn Teilnahmen zu kommen", sagte der Buschauffeur nach dem Rennen.

Titelverteidigung 2003

Mehr als 25.100 Laufjünger hatten sich für den Marathon und seine vier Rahmenbewerbe angemeldet, etwas mehr als 10.600 davon für die klassische Distanz über 42,195 km. Veranstalter Wolfgang Konrad war mit diesen Zahlen zufrieden, ebenso wie mit dem Ausgang des Rennens. "Es freut mich, dass der alte Mann wieder da ist", meinte der "Marathon-Vater" angesichts des Sieges von Topfavorit Tanui. Die Kulisse von rund 250.000 Zuschauern entlang der Strecke und die "wunderschöne Stadt" haben den Afrikaner so sehr beeindruckt, dass er sich vorgenommen hat, 2003 wieder zu kommen. "Es war so toll, dass ich im nächsten Jahr meinen Titel verteidigen will." (APA)

Ergebnisse vom Vienna City Marathon 2002:

1. Moses Tanui (KEN) 2:10:25 Stunden (neuer Streckenrekord/bisher 2:10:28/Wien-Rekord 2:08:48)
2. Boaz Kimayo Kibet (KEN) 2:10:35
3. Rutto Barnabas Kipngetich (KEN) 2:10:53
4. Joseph Ngolepus (KEN) 2:13:18
5. Abraham Limo (KEN) 2:13:38
6. Gideon Talam (KEN) 2:14:37
7. Mohammed Erraoui (MAR) 2:14:47
8. Dmitri Kapitonow (RUS) 2:14:52
9. Erpassa Lami (ETH) 2:15:44
10. Mykola Antonenko (UKR) 2:15:45
11. Jewgeni Baschko (UKR) 2:16:41
12. Abner Chipu (RSA) 2:17:31
13. Nicola Civarella (ITA) 2:17:52
14. Thedoros Zahos (GRE) 2:18:11
15. Mykola Rudyk (UKR) 2:19:16
16. Pavel Kokin (RUS) 2:23:10
17. Santtu Makinen (FIN) 2:24:42
18. Wan Ki Kim (KOR) 2:25:36
19. Max Wenisch (AUT) 2:16:17
20. Abebe Mekonnen (ETH) 2:26:42
21. Wolfgang Cramaro (AUT) 2:26:49

DAMEN:

1. Ludmilla Puschkina (UKR) 2:32:03
2. Jackline Jerotich (KEN) 2:32:49
3. Dagmar Rabensteiner (AUT) 2:35:42
4. Aniela Nikiej (POL) 2:35:57
5. Rodica Chirita (ROM) 2:39:31

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