Hinweise auf dunkle Zwerg-Galaxien

24. Mai 2002, 11:13
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Mögliche Kandidaten für fehlende Masse im Universum

San Diego/Wien - Wir sind möglicherweise von Dunklen Zwerg-Galaxien umgeben. Das bedeutet nun nicht, dass in absehbarer Zeit Horden von kleinen, finsteren Aliens mit langen Bärten, Zipfelmützen und Nagelschuhen auf unserem Planeten einfallen könnten, die Aussage stammt auch nicht aus einem Weltraum-Fantasy-Abenteuer, sondern aus der renommierten astronomischen Zeitschrift "The Astrophysical Journal". Und gemeint sind kleine Galaxien, die man deshalb nicht sieht, weil sie aus kalter, dunkler Materie bestehen.

Astronomen fahnden schon seit Jahrzehnten nach fehlender Masse im Universum. Denn Beobachtungen, wie sich die sichtbaren Galaxien zu einander bewegen und einander beeinflussen legen den Schluss nahe, dass es eigentlich wesentlich mehr Masse im Weltall geben müsste, als wir mit Teleskopen beobachten können. Als ein Kandidat für diese fehlende Masse gilt eine Art kalte Materie, in der sich die Teilchen so langsam bewegen, dass weder Licht noch sonst was ausgesandt wird.

Gravitationslinsen

Laut der Theorie sollte sich die Dunkle Materie etwa in Form von Zwerg-Galaxien um die großen, sichtbaren Materie-Ansammlungen konzentriert sein. Nachdem man sie ja - nomen est omen - nicht sieht, haben die Astrophysiker Neal Dalal von der University of California in San Diego (USA) und Christopher Kochanek vom Havard-Smithsonian Center für Astrophysics in Cambridge auf einen Trick zurück gegriffen, um sie dennoch nachweisen zu können.

Es ist eine auf Albert Einstein zurück gehende und mittlerweile erwiesene Tatsache, dass Materie durch ihre Schwerkraft Licht ablenkt. So können große Materie-Ansammlungen - wie etwa Galaxien - die Bahnen von Lichtstrahlen krümmen. Für den irdischen Beobachter ist der nächtliche Himmel eigentlich ein Zerrbild. Durch die Linsenwirkung von näheren Galaxien können von entfernteren sogar Mehrfachbilder entstehen, deren Muster in erster Linie durch die Masse der Linsengalaxie beeinflusst wird.

Genau auf solche Mehrfachbilder haben sich die beiden Astronomen konzentriert. Wie die Wissenschafter herausfanden, sind diese Bilder ein und des selben Himmelskörper nämlich nicht immer gleichartig, einige sind schärfer, andere weniger scharf. Als Ursache für die Bildstörungen vermuten die Forscher die dunklen Zwerg-Galaxien. Sie rechneten aus, dass rund zwei Prozent der Masse der Linsengalaxien in Form von dunklen Masseansammlungen vorliegen müsste, um den beobachteten Effekt zu erklären. (APA)

  • Eine Gravitationslinse auf einem Foto des Hubbleteleskops: Die Masse im Zentrum des Bildes (orange) krümmt das Licht und macht dahinterliegende Objekte sichtbar (blaue kreisförmig angeordnete Objekte)
    foto: nasa/hubble

    Eine Gravitationslinse auf einem Foto des Hubbleteleskops: Die Masse im Zentrum des Bildes (orange) krümmt das Licht und macht dahinterliegende Objekte sichtbar (blaue kreisförmig angeordnete Objekte)

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