Messgerät ist Gleichgewichtsstörungen auf der Spur

29. Mai 2002, 18:15
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Sind nicht nur für Kletterer und Seiltänzer gefährlich - sie können auch Hinweise auf ernste Erkrankungen sein

Leipzig - Gleichgewichtsstörungen sind nicht nur für Arbeiter, die sich in großen Höhen bewegen, gefährlich. Sie können auch Hinweise auf ernste Erkrankungen sein. Erstmals haben nun Arbeitsmediziner der Universität Leipzig ein Gerät entwickelt, mit dem Gleichgewichtsstörungen objektiv gemessen werden können. Bei dem Gerät handelt es sich um eine Messplattform mit Sensoren, ähnlich wie bei einer digitalen Personenwaage.

Der Patient muss sich dabei mit vorgestreckten Armen, nach oben gekehrten Handflächen und geschlossenen Augen auf die Messplattform stellen. Diese Haltung ist nach Angaben der Forscher besonders empfänglich für Gleichgewichtsstörungen.

Ein Computerprogramm erfasst dann die festgestellten Schwankungen, die mit Hilfe von Messpunkten auf einem Bildschirm dargestellt werden können. Je näher die Messpunkte sich um den Mittelpunkt eines Koordinatensystems befinden, desto besser ist die Steuerung des Gleichgewichtsverhaltens. "Wird eine bestimmte Grenze überschritten, sollte der Arzt auf die Suche nach den Ursachen gehen", sagt der Arbeitsmediziner Gert Schreinicke.

Hinweise

So könnten Gleichgewichtsschwankungen beispielsweise auf neurologische Erkrankungen oder einer Funktionsstörung des Innenohrs hinweisen. Aber auch ein Tumor könne Gleichgewichtsstörungen auslösen.

Bisher habe es keine objektive Methode zur Messung von Gleichgewichtsstörungen gegeben. Sie konnten nur per Augenschein beschrieben werden. Laut Schreinicke hat die deutsche Bundeswehr das neue Gerät zur Fliegerausbildung bereits übernommen. In den nächsten drei Jahren sollen damit aber auch arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen von Arbeitnehmern möglich sein, die unter einem erhöhten Absturzrisiko tätig sein müssen. Bis dahin hoffen die Forscher genügend Messdaten zu haben, die beispielsweise auf bestimmte Krankheiten hinweisen können.

Dabei müssten auch Faktoren wie Gewicht und Größe berücksichtigt werden, da dies ebenfalls das Schwankungsverhalten beeinflusst. Die Forscher stellten auch fest, dass mit zunehmenden Alter, Menschen, die in großen Höhen arbeiten, weniger an Gleichgewichtsstörungen leiden. Das täglich Training wirke offenbar dem altersbedingt abnehmenden Sinn entgegen. Auch scheinen Frauen ein besseres Gleichgewichtsverhalten zu haben, als Männer. Dies müsse aber noch weiter untersucht werden. (APA/AP)

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