Brigitte Hamann bleibt dem Thema Hitler treu

23. Mai 2002, 14:33
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"Hitlers Bayreuth" befasst sich mit dem bemerkenswerten Verhältnis zwischen dem "Führer" und Winifred Wagner

Wien - Der Boom an Veröffentlichungen zum Themenkreis Adolf Hitler und Drittes Reich reißt nicht ab: Während in Deutschland vor allem der Journalist Guido Knopp der Reihe nach jeden denkbaren Aspekt des Themas abhandelt, ist es in Österreich nicht zuletzt die Historikerin Brigitte Hamann, die für Bestseller-Erfolge sorgt. Und von "Hitlers Wien", so der Titel des erfolgreichen Vorgängerbuches von Brigitte Hamann, ist der Weg nicht weit zu "Hitlers Bayreuth".

Freundin Hitlers

Die in Wien lebende deutsche Historikerin nähert sich in "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" Adolf Hitler über die Biographie des wohl umstrittensten Mitglieds des kontroversiellen Wagner-Clans: Winifred Wagner, Schwiegertochter von Richard, enge Freundin Hitlers und in den dreißiger Jahren Herrin der Bayreuther Festspiele. In dem Buch stellt Hamann die Frage, wie aus einem "englischen Waisenkind die berühmteste Nationalsozialistin Deutschlands werden konnte".

Winifred Wagner bekannte sich bis zu ihrem Tod 1980 zu Hitler. Sie war überzeugte Antisemitin und deutschnational. Die Anekdote, dass Winifred Wagner dem in Landsberg inhaftierten Hitler selbst dasjenige Papier zur Verfügung stellte, auf dem dieser "Mein Kampf" schrieb, belegt Hamann in ihrem Buch. In ihrer vier Jahre währenden Arbeit an "Hitlers Bayreuth" erschloss Hamann jedoch auch eine andere, weniger bekannte Seite: "Winifred Wagner kann man nicht entschuldigen. Dennoch hat sie sich gegenüber Hitler viel herausgenommen. Sie hat sich immer wieder engagiert für Leute, die unter dem Regime gelitten haben", so Hamann bei der Buchpräsentation. Gustav Gründgens war nur einer der prominenteren unter denjenigen, für die Winifred sich einsetzte.

Biographie einer Antisemitin

In ihrem Buch folgt Hamann dem Lebenslauf der Winifred Wagner, die 1915 18jährig den mehr als 25 Jahre älteren einzigen Sohn Richard Wagners, Siegfried, ehelichte und in den damaligen Hort der Deutschnationalen und Antisemiten, die Villa Wahnfried, Einzug hielt. Bayreuth wurde durch Hitlers Affinität zu Wagners Musik zum Mittelpunkt der NS-Ästhetik und, durch Hitlers oftmalige Anwesenheit, zum Zentrum europäischer Politik.

Obwohl Winifreds Biographie und die Ereignisse in ihrem familiären, politischen und künstlerischen Umfeld (so die höchst unterschiedliche Reaktion ihrer Kinder auf die NS-Verstrickungen Winifreds) "im Mittelpunkt des Buches stehen", so Hamann, gilt das Buch dennoch Hitler: Über penibles Quellenstudium versuchte Hamann "anhand des Alltags und des wirtschaftlichen Umfelds verstehen zu lernen, wie dieser armselige Schlurf aus Österreich ausgerechnet in Deutschland der angebliche Retter der Nation werden konnte".

"Keine schöne Arbeit

Die "Verquickung von Politik, Kunst, Künstlern und einer Familie" erschien Hamann als das ideale Umfeld für eine derartige Untersuchung. Man könne sich Hitler "nicht über Theorien nähern, nur über Quellenarbeit", meinte Hamann, die betonte, dass diese Arbeit "keine schöne" sei. "Man fühlt sich wie im Schmutz der Jahrhunderte". (APA)

Brigitte Hamann: "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth". Piper. 688 Seiten, 104 Abbildungen
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    Antisemitisches "Traumpaar": Winifred Wagner und Adolf Hitler

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