Sonderfall Walfang durch indigene Völker

23. Mai 2002, 12:55
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Die Tradition ist nicht unumstritten: es dürfen auch geschützte Arten gejagt werden

Hamburg - Die Urbevölkerungen in den arktischen Regionen Grönland, Alaska und Sibirien sowie in der Karibik waren bisher vom Walfangverbot der Internationalen Walfangkommission (IWC) ausgenommen. Sie durften - bisher - für den Eigenbedarf bestimmte Walarten jagen, sie zu Nahrungsmitteln verarbeiten und zu zeremoniellen Zwecken nutzen.

Quoten

Die IWC hat die Fangquoten genau nach Regionen, Tierart und fangberechtigten Bevölkerungsgruppen aufgeteilt. So dürfen die Yuit in Alaska und die Chukotka in Sibirien im Zeitraum zwischen 1998 und 2002 insgesamt 280 Grönlandwale jagen, davon in keinem Jahr mehr als 67 Tiere. Im gleichen Zeitraum dürfen im östlichen Nordpazifik 620 Grauwale erlegt werden, pro Jahr höchstens 140 von "den Bevölkerungsgruppen, deren traditioneller und existenzieller Bedarf anerkannt ist", heißt es in den IWC-Bestimmungen. Den Einwohnern Grönlands wurde genehmigt, pro Jahr bis einschließlich 2002 insgesamt 19 Finnwale und 12 Zwergwale zu fangen. Sowohl Grau- als auch Grönlandwal sind ansonsten geschützte Arten.

Die Walfang-Tradition ist in einigen Stämmen mehr als 1.500 Jahre alt. Aus dem Speck wird Tran hergestellt, der zur Beleuchtung, zum Heizen, als Schmierstoff und für die Herstellung von Seife und Farben benutzt wird. Außerdem nutzen die Inuit ("Menschen") die Knochen der Säugetiere als Gerüst für ihre Behausungen. Das Fleisch der Säuger ist wichtiger Teil der Nahrung.

Europäische Tradition

Nach Angaben der "Whale and Dolphin Conservation Society" waren die Basken die erste Bevölkerungsgruppe, die im Mittelalter organisierten Walfang im industriellen Ausmaß in der Biskaya betrieben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts begannen andere Völker so genannte Grönlandfahrten zum Walfang - tatsächlich wurden die Meeressäuger bei Spitzbergen erlegt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlegten die Fänger ihre Aktivitäten in den Osten Grönlands, in die Baffin Bay und die Davis-Straße. Die Siedler an der Ostküste der Vereinigten Staaten begannen zur gleichen Zeit mit dem Walfang entlang ihrer Küste. Ende des 19. Jahrhunderts waren die gejagten Walarten weitgehend ausgerottet.

Die Erfindung dampfgetriebener Walfangboote war die Vorstufe der Walfangflotten, die bis weit ins 20. Jahrhundert auf Waljagd gingen. Die erlegten Tiere wurden noch an Bord von Walfang-Mutterschiffen auf hoher See vollständig verarbeitet. 1986 hatte die IWC ein internationales Walfang-Moratorium beschlossen, das den kommerziellen Walfang verbietet. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bild einer traditionellen Waljagd der Makah (einem Volk an der nordwestpazifischen Küste)

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