Luxus-Sommer an Europas Börsen

21. Mai 2002, 18:49
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Nobelmarken wie Ferrari und Prada drängen aufs Parkett - Luxusgüter rangieren zur Zeit unter den heißesten Branchen

London - Der italienische Fiat-Konzern will, wie berichtet, mit seinen roten Juwelen, den Ferrari-Sportwagen, an die Börse - andere Nobelmarken testen gerade, wie groß das Interesse der Anleger an Luxus ist. So planen die Prada-Holding und der britische Händler Gus, dem die Marke Burberry gehört, ihre Debüts am Parkett.

Luxusgüter rangieren zurzeit unter den heißesten Branchen. Bisher schlagen sich die Produzenten teurer Teile aber recht wacker, wie die Beispiele LMVH Moet Hennessy, Louis Vuitton und auch der bayrische Autohersteller BMW zeigen.

Spannend

Die Sache mit Ferrari dürfte spannend werden: Zentrale Frage unter Europas Analysten ist, wie stark wird die Nachfrage sein wird, nachdem die Anleger in diesem Jahr bisher Neuemissionen die kalte Schulter gezeigt haben. Die Marke Ferrari genießt Weltruhm, dominiert derzeit die Rennserie der Formel eins.

Aber es ist kein sehr profitables Unternehmen. Im letzten Jahr verkaufte Ferrari 4289 Autos, gerade mal 200 Autos mehr. Im Jahr 2000 erzielte man 14 Mio. Dollar mit der Lizenzierung des Namens. 2001 erwirtschaftete die Sportwagenschmiede aus Maranello einen Betriebsgewinn von 62 Mio. Euro bei einem Umsatz von knapp über einer Milliarde Euro. Dennoch dürfte Ferrari mit einem Marktwert von 2,0 bis 2,5 Mrd. Euro an die Börse kommen, ein hohes KGV beim derzeitigen Gewinn.

Prada: Gewinn hinkt Namen hinterher

Auch Prada lebt vom guten Markennamen, der Gewinn hinkt noch hinterher. Im letzten Geschäftsjahr stieg der Umsatz um lediglich fünf Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Der Nettogewinn belief sich auf 24 Mio. Euro. Der Modekonzern, zu dem Edel-Labels wie Miu Miu, Jil Sander und Helmut Lang gehören, kündigte in der Vorwoche an, dass man die Börsenpläne, die nach dem 11. September auf Eis gelegt worden waren, wieder aufgenommen habe. Bei einem Börsengang käme der Konzern auf einen Marktwert von rund fünf Mrd. Euro.

Macht der Marke

Anleger, die die Ferrari-oder Prada-Aktien kaufen, setzen darauf, dass mittelfristig die Macht ihrer Marken triumphieren wird. Diese Strategie ging bei anderen Luxusherstellern schon auf: BMW ist ein Beispiel dafür. Nachdem die Münchener sich auf das Luxussegment rückbesonnen und ihre Produktpalette noch um den spritzigen neuen Mini erweitert haben, läuft alles wie geschmiert.

Hingegen hat sich DaimlerChrysler AG in eine schwierige Lage manövriert. Der Erzrivale von BMW versucht, am amerikanischen Massenmarkt Fuß zu fassen. Einziger Lichtblick ist der Mercedes-Stern, bei der Luxusmarke brummt das Geschäft.

In den kommenden Jahren wird das Luxusgütersegment vermutlich einer der wenigen Bereiche sein, die vom starken Wettbewerbsdruck verschont bleiben. Dafür gibt es zwei Gründe: Die wichtigsten Kunden bei den Luxusmarken sind Leute, die erst jüngst zu Geld gekommen sind. Diese sind an herzeigbaren Luxusmarken besonders interessiert. Nach einer Studie von Merrill Lynch und Cap Gemini kommen jedes Jahr 180.000 neue Millionäre hinzu - viele potenzielle Ferrari-Fahrer (und die Prada-Tasche fährt mit). Weiters sind Luxusmarken einem weniger scharfen Wettbewerbsdruck ausgesetzt als andere Konsumgüterproduzenten. (Bloomberg, DER STANDARD, Printausgabe 22.5.2002)

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    foto: montage/derstandard.at
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