Neue Software beflügelt das Übersetzen am Computer

21. Mai 2002, 12:39
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Linguatec stellt Personal Translator 2002 vor - Programm erkennt den inhaltlichen Kontext

Der Traum von der weltweiten Verständigung ist so alt wie der Turmbau von Babel. Die Überwindung der Sprachgrenzen mit Hilfe der Computerlinguistik kommt aber nur langsam voran. Hoffnung macht da eine neue Software des Münchner Unternehmens linguatec Sprachtechnologien, der "Personal Translator 2002".

Lachhaft

Einfache Übersetzungsdienste im Internet wie der "Babelfish" von Altavista haben die Technik der Übersetzung am Computer oft genug zur Lachnummer gemacht. Die Wort-für-Wort-Übersetzung ist meist wenig hilfreich, da sich der Sinn einer Aussage erst im Zusammenhang erschließt. Diesen inhaltlichen Kontext berücksichtigt der Personal Translator mit neuen Algorithmen (Befehlsabfolgen), die das syntaktische und semantische Umfeld von Begriffen berücksichtigen.

Qualität ist alles

Wenn bei "Babelfish" ein Regisseur einen neuen Film dreht, wird als Übersetzung vorgeschlagen: "The director turns a new film." Klar, "drehen" übersetzt das Wörterbuch mit "to turn". Aber leider ist dies nur eine von mehreren Übersetzungsmöglichkeiten. Der Personal Translator erweist sich da als treffsicherer: "The director shoots a new film." Und wenn sich die Erde um die Sonne dreht, wird das bedeutungstragende Verb weder mit "to turn" noch mit "to shoot" übersetzt, sondern mit einem korrekten "The earth revolves around the sun."

Problematik

Solche "Homographen" - das sind Begriffe mit identischer Schreibweise und unterschiedlicher Bedeutung - haben der maschinellen Übersetzung bisher scheinbar unüberwindbare Probleme bereitet. Um sie zu lösen, müssen die Begriffe des Wörterbuchs mit weiteren Begriffen gekoppelt werden, die in ähnlichen Zusammenhängen auftauchen und dann darüber entscheiden, welche Übersetzungsvariante die Software wählt.

Schwierigkeiten

Solange solche Wortkombinationen nicht fest verdrahtet sind, kommt auch der Personal Translator ins Schwitzen: Wenn sich etwa der Solist an den Flügel setzt, greift die Software zunächst zum "wing", weil sie in diesem Satz nicht den Unterschied zum Flügel des Vogels erfasst. Dabei kennt das integrierte Wörterbuch sehr wohl den Begriff des "grand piano", der dem Sachgebiet Musik zugeordnet ist. Wenn es von vorn herein um eine Übersetzung aus diesem Themenbereich geht, kann dies in den Optionen des Programms gezielt ausgewählt werden - dann findet der Personal Translator auf Anhieb das richtige Piano.

Gemeinsames Lernen

Dieses Beispiel zeigt, dass es bei der maschinellen Übersetzung auch um einen Lernprozess zwischen Anwender und Software geht. Je intensiver das Programm genutzt wird, desto besser die Ergebnisse. Unterstützt wird dies vom Satzarchiv des Programms, in dem Satzpaare - jeweils Quell- und Zieltext einer Übersetzung - gespeichert und bei ähnlichen Aufgaben dann herangezogen werden. Damit sich da keine Fehler einschleichen, sollten natürlich nur korrekte Übersetzungen in das Satzarchiv eingehen. (APA)

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