„Europäische ETF`s doch billiger als amerikanische“

27. Juni 2002, 22:40
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Das Konzept börsen- gehandelter Indexaktien und warum europ. ETF's günstig sind. Thomas Pohlmann, Indexchange, im Interview.

Thomas Pohlmann ist Produktmanager beim größten europäischen Anbieter für Exchange Traded Funds (ETF) - Indexchange in München. In einem Interview mit e-fundresearch erläutert er das Konzept der börsengehandelten Indexaktien, nimmt zum österreichischen Markt Stellung, verrät die zukünftigen Pläne von Indexchange und erläutert warum europäische ETF`s doch billiger sind als amerikanische.

Vorteile von ETF’s

e-fundresearch/München: Thomas Pohlmann, Sie sind Produktmanager bei Indexchange. Was sind Exchange Traded Funds (ETF’s) überhaupt, welche Vor- und Nachteile haben diese etwa gegenüber einem herkömmlichen Aktienfonds?

Thomas Pohlmann: ETF’s sind börsengehandelte Indexfonds, die den Index also sehr genau abbilden. Sie sind deutlich günstiger als herkömmliche Fonds und durch den Handel an einer Börse auch viel liquider als einige andere Finanzprodukte. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch die Transparenz: Bei ETF’s kann der Anleger bis in letzte Detail jedes Investment nachvollziehen.

e-fundresearch/München: Wenn ich mich als österreichischer Investor jetzt für ETF´s entscheide, was muss ich da beachten, wo kann ich hingehen bzw. was zahle ich?

Thomas Pohlmann: Grundsätzlich können unserer ETF´s über jede Bank, Sparkasse oder Onlinebroker bezogen werden, überall also wo man auch Aktien kaufen kann. In Österreich ist wichtig, das dort ETF´s noch nicht an der Wiener Börse notieren und deswegen müssen diese an der Deutschen Börse gehandelt werden. Aufgrund des verbreiteten Zugriffs auf das XETRA-Handelssystems dürfte das aber kein Problem sein.

Steuerlicher Nachteil von ETF’s in Österreich

Rechtlich hat der Investor in Österreich aber noch einen steuerlichen Nachteil, denn ETF´s werden in Österreich als ausländische, weiße Fonds betrachtet, da sie in Deutschland aufgelegt wurden.

e-fundresearch/München: Planen Sie eventuell die Auflage neuer ETF´s, etwa auf asiatische Indizes?

Thomas Pohlmann: Momentan bieten wir dem Investor 17 unterschiedliche Indizes, die über ETF´s abgedeckt werden. Das ist einerseits auf Länderbasis der DAX, MDAX, NEMAX 50, FTSE 100, SMI und Dow Jones Industrials bzw. Euro Stoxx 50, Stoxx 50 und Dow Jones Global Titans 50. Auf Sektorbasis sind das auf Stoxx- und Euro Stoxx- Basis Technology, Telekom, Banks und Healthcare.

Komplettierung des Sektorportfolios geplant...

Zukünftig werden wir hoffentlich bald auf Stoxx 600 Basis unser Sektorportfolio komplettieren können. Zusätzlich möchten wir einen breiten Index mit etwa 500-600 Werten abbilden, trotzdem werden wir ihn voll replizieren. Der Schritt nach Japan oder ähnliche Märkte ist sicher ein nachgelagerter, da die dortigen Handelszeiten komplett konträr zu denen in Europa sind.

… aber keine ETF’s auf S&P 500, Nasdaq 100 oder MSCI World

e-fundresearch/München: Warum bilden Sie eigentlich nicht den S&P 500, MSCI World oder Nasdaq 100 ab?

Thomas Pohlmann: Beim S&P 500 und beim Nasdaq 100 ist die gleiche Situation wie wir sie hier mit dem DAX, MDAX oder NEMAX haben. Diese Indizes wurden exklusiv erworben. Es wird in naher Zukunft deswegen wohl keinen weiteren ETF-Anbieter auf DAX, MDAX oder NEMAX geben, genauso ist das aber leider auch mit dem S&P 500 bzw. Nasdaq 100.

Beim MSCI stellt sich das etwas anders dar: Der MSCI World besteht aus etwa 1500 Aktien Wir haben bei ETF´s einen sehr hohen Qualitätsstandard, da wir nur mit „Full Replication“ arbeiten. Bei einer kompletten Nachbildung des MSCI World, und dem damit verbundenen Aufwand, müssten die Kosten wohl angehoben werden. Deswegen gibt es diesen Index in unserem Produktportfolio nicht.

Europäische ETF´s doch billiger als in Amerika

e-fundresearch/München: Bleiben wir bei der Kostenproblematik. Häufig wird behauptet, das amerikanische ETF´s viel billiger sind als ihre europäischen Pendants. Was sagen Sie dazu?

Thomas Pohlmann: Am europäischen Markt sehen wir derzeit Management Fees zwischen 30 und 50 Basispunkten. In Amerika liegt der Spider (ETF auf den S&P 500) bei 12 Basispunkten und der Qube (Nasdaq 100) bei 20 BP. Dabei muss man aber beachten, dass diese Fonds nur amerikanische Aktien enthalten. Ein europäischer ETF investiert etwa in deutsche, französische, italienische oder griechische Aktien. Da kommen viel höhere Kosten auf den ETF Anbieter zu als bei rein inländischen Aktien. Der Vergleich hinkt also.

Sieht man sich amerikanische ETF´s an, die nicht nur in Amerika investieren, liegen die Management-Fees zwischen 84 und 99 Basispunkten. Eigentlich sind europäische ETF´s deswegen billiger als amerikanische.

e-fundresearch/München: Vielen Dank für das Gespräch!

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