Das Schnitzelschmalz der Herzen

11. Juni 2002, 21:47
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Michaela Ronzonis "Yeter" in der Drachengasse

Das Stück Yeter der Gebrauchsdramatikerin Michaela Ronzoni äst wohlig auf der Heide der vorsorglichen Konfliktbereinigung. Als Bühnenmelodram ersetzt Yeter bequem zig Dialogplattformen und fünf Integrationsbeauftragte auf einmal.

Zwei Studentinnen, ein blonder, knalliger Trotzmund (Isabella Szendzielorz) mit lesbischen Neigungen und eine milde Türkin (Farma Genc) der zweiten Generation, befreunden sich, fassen eine tiefe Zuneigung zueinander, die jedoch nur von Moira, dem Blondchen, als lesbische Affäre ausgedeutet wird, während doch Yeter den Verheiratungsplänen ihres muslimischen Vaters (Durmus Dogan), der dreinblickt, als hätte er einen übersäuerten Magen, willfährt.

Moira erhängt sich und zitiert, eine krause Pointe, den Suizid der Sarah Kane. Die Eltern sind klarerweise bornierte Idioten; Moiras Mama tischt dem Türkenpapa im Schmalz (!) herausgebackene Schnitzel auf. So wird das nichts mit dem multikulturellen Zusammenleben. So wird das nichts mit der Karriere von Regisseurin Stephanie Mohr.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2002)

Von
Ronald Pohl


Theater Drachengasse,
Wien 1.,
Fleischmarkt 22,
(01) 513 14 44.
Di-Sa bis 22. 6.
jeweils 20.00

drachengasse.at
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