Wasserexport aus Österreich unrentabel

12. Mai 2002, 18:46
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Studie: Größennachteile in Wasserwirtschaft durch Allianzen kompensieren - "Keine Chance gegen Evian und Perrier"

Wien - Der angeblich drohende "Ausverkauf" des österreichischen Trinkwassers über den Export ins Ausland ist aus wirtschaftlichen Gründen eine Schimäre. Für Wasserexporte aus der Alpenrepublik gibt es weder über die Abfüllung in Flaschen noch über den Abtransport über Pipelines oder Tankschiffe ökonomisches Potenzial, resümiert eine soeben fertig gestellte Studie des internationalen Beratungsunternehmens A.T. Kearney. Mit ihrem Know How hat die zersplitterte österreichische Wasserwirtschaft aber sehr wohl Zukunftschancen - wenn sie sich zusammen tut und sich auf ihre Stärken besinnt.

"Von ihrer kleinteiligen Struktur her sind die österreichischen Wasserversorger kaum wettbewerbsfähig", urteilt Thomas Gasser, Wasser-Experte bei A.T. Kearney-Österreich. Versorgungsqualität und Betreiber-Know How seien dagegen zweifellos vorhanden, weiters gebe es eine technologische Wissensbasis in einigen spezialisierten Firmen wie der VA Tech Wabag, dem weltweit drittgrößten Hersteller von Wasseranlagen oder beim Mondseer Wasseraufbereiter BWT.

Keine Chance gegen Evian und Perrier

"Ein Versuch, gegen etablierte Marken wie Perrier oder Evian international zu punkten, würde enorme Marketingausgaben notwendig machen - wahrscheinlich einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro", warnt Gasser vor Illusionen beim Thema Wasserexport in Flaschen. Auch die Ausfuhr von Trink- oder Nutzwasser als Massengeschäft sei keine Option, ist sich der Experte sicher. Dazu seien, die Kosten für die Infrastruktur (Pipelines) bzw. den Transport einfach zu hoch. "Das Wasser müsste außerdem entsprechend behandelt werden und hätte, wenn es ankommt, bei weitem nicht mehr jene Qualität, mit der es bei uns aus dem Boden kommt."

Problematisch ist für Gasser die geringe Größe der 4.000 heimischen, meist kommunalen Wasserbetriebe. A.T. Kearney hat diese "atomistische Struktur" international verglichen und kommt dabei auf einen internationalen Spitzenwert von 518 Wasserversorgungsunternehmen auf eine Million Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland sind es auf die Einwohnermillion nur 81, in Frankreich, das im Wesentlichen von zwei großen Wasserkonzernen beherrscht wird, gar nur statistische 0,1 Unternehmen.

Struktur der Siedlungswasserwirtschaft reformieren

Um im Inland billiger zu werden und auch auf ausländischen Märkten anbieten zu können, müssten die Struktur der Siedlungswasserwirtschaft reformiert werden und die Unternehmen selbst "strategische Allianzen" eingehen, meint der Experte. In größeren Einheiten könnten die Betriebskosten zwischen 25 und 35 Prozent gesenkt werden. Andererseits könnte die österreichische Wirtschaft auf dieser Basis seine Auslandsumsätze im Wassergeschäft mittelfristig deutlich steigern, glaubt Consulter Gasser: Statt wie 2001 rund 620 Mill. Euro könnten 2006 auf diese Weise bereits 1,05 Mrd. Euro im Ausland erlöst werden. "Wenn man sich nicht dem Traum hingibt, man könnte aus Österreich die Versorgung von Städten wie Shanghai organisieren, wird man auch die wesentlich besser geeigneten Märkte in Ost- und Südeuropa nicht übersehen."(APA)

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