Neuer Winzer-Vorstoß nach Deutschland

12. Mai 2002, 19:20
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Wein&Co-Chef: "Qualität durch Marketing ergänzen" - Heimische Weine noch weitgehend unbekannt

Wien - Österreichs Weinwirtschaft versucht immer öfter, über Kooperationen international zu reüssieren. Acht namhafte Winzer (Achs, Gsellmann, Gross, Fidesser, Markowitsch, Rudi Pichler, Wieninger und Salomon) haben mit dem Sekterzeuger Schlumberger unter dem Namen "Tu felix Austria" ein neues Marketingprojekt für den deutschen Markt aus der Taufe gehoben.

Die gemeinsame Vertriebsgesellschaft, an der die Winzer je zehn und Schlumberger 20 Prozent halten, soll dazu beitragen, die Präsenz hochwertiger österreichischer Weine in Deutschland langfristig auszubauen. Die Initiative zielt dabei auf die Top-Gastronomie und den Fachhandel. "Die Zeit dafür ist günstig, schließlich haben die Deutschen 2001 erstmals mehr Geld für Wein als für Bier ausgegeben", sagte Schlumberger-Deutschland-Chef Klaus Schrauth. Der deutsche Weinmarkt ist um 4,5 Prozent gewachsen.

"Nur Kennern bekannt"

Österreichs Wein sei in Deutschland "nur bei Kennern bekannt", sagte Bertold Salomon, Geschäftsführer des Projektes und selbst Winzer in Krems/Stein. Daher sei es notwendig, das Wissen über den heimischen Wein "in den Köpfen der Deutschen zu verankern". Die ersten gemeinsamen Aktionen sind daher Schulungen in großen deutschen Städten sowie eine Degustationsveranstaltung in München. Das Potenzial für österreichischen Wein sei jedenfalls "noch sehr groß".

Potenzial, das man allerdings erst erschließen müsse, wie Wein&Co-Chef Heinz Kammerer beim fünften "Agrardialog", einer vom Weinviertler Winzer Maximilian Hardegg ins Leben gerufenen Diskussionsreihe, feststellte. Bisher seien Vermarktungsüberlegungen vernachlässigt worden: "Wir brauchen nicht nur die 20 oder 30 Spitzenwinzer, sondern auch einen Mittelbau. Die Qualitätsinitiative muss durch sinnvolle Marketinginitiativen ergänzt werden", sagte Kammerer.

Projekt "Arachon"

Beispiele für gute Vermarktung seien etwa das Projekt "Arachon", eine Kooperation zwischen Spitzenwinzern und der Genossenschaft Horitschon, oder der "Steirische Junker", frische, gebietstypische Jungweine, die nach der Ernte rasch auf den Markt kommen. Österreich werde zwar "nie ein Massenweinland", aber die Menge könne durch die Schaffung größerer Verbände gestärkt werden, so Kammerer.

Diesen Weg wollen auch zehn Wiener Weingüter einschlagen, die ihre Marke "Vienna Classic" einem Relaunch unterzogen haben. Strenge Qualitätshürden zur Erlangung der Mitgliedschaft sowie eine freiwillige Ertragsbeschränkung sollen dafür sorgen, dass sich der Wein aus der Hauptstadt (der weltweit Einzigen mit nennenswertem Weinbau) auch in der gehobenen Gastronomie durchsetzen kann. (zwi, ls, Der Standard, Printausgabe, 13.05.2002)

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