[dag] Maidüfte

10. Mai 2002, 12:10
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Das Angenehme am Mai ist, dass er auffallend gut riecht. Das ist freilich keine Kunst, sondern Natur. Es blüht ja, mit Ausnahme von Litfaßsäulen, derzeit alles, was in der Erde steckt.

Fein duftet es auf dem Lande (in düngerfreien Zonen). Wenn man dort länger zugegen war und man findet sich plötzlich wieder in Wien, weiß man sofort, was einem abgegangen ist: nichts. Um letzte Zweifel zu zerstreuen, steige man in eine U-Bahn. Auch dort ist Mai, wenn auch strenger.

Es ist schon erschütternd. Täglich wird irgendwo auf der Welt ein neues Duftöl aus einer bis dato unbekannten Pflanze gequetscht und abgefüllt. Jede noch so exotische Blüte hat ihr eigenes Gel, wobei der Trend zu Vorduschgel (für hautanregendes Duschen vor dem Duschen) und Nachduschgel (für hautabregendes Duschen nach dem Duschen) geht. Es gibt nicht enden wollende Produktserien feuchter, rollbarer Riesenlitschis (oder marinierter Tischtennisbälle). Es gibt geruchsneutralisierende Berg-, Tal-, Meer- und bald auch Wüstenkristalle. Das Angebot reicht gut und gern für drei Milliarden Achselhöhlen.

Was nützt es? Nichts. Ein paar Dutzend Totalverweigerer finden sich immer - im Mai in der U-Bahn.

Der Standard Print-Ausgabe 10.05.2002

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