Mysteriöser Kindstod

10. Mai 2002, 11:20
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Ein Nebenprodukt des Bakteriums E. coli könnte ursächliche Wirkung haben

Mailand - Die Wissenschaft ist der Ursache für den mysteriösen "Plötzlichen Kindstod" (Sudden Infant Death Syndrome - SIDS) möglicherweise einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Der australische Forscher Dr. Paul Goldwater berichtete jetzt auf einem Fachkongress in Mailand, dass er in allen von ihm untersuchten Leichen plötzlich verstorbener Säuglinge ein offenbar toxisch wirkendes Nebenprodukt des Bakteriums E. coli entdeckt habe, das aber bei keinem Kind einer Vergleichsgruppe vorhanden war.

Im Mittelpunkt seiner Forschungen steht das Protein Curlin, das von dem im Darm vorkommenden Bakterium produziert wird. Goldwater fand das Eiweiß im Blutkreislauf von allen 68 untersuchten Babys, die ohne erkennbare Ursache gestorben waren, aber in keinem der Vergleichsgruppe von gestorbenen oder lebenden Säuglingen. "Das deutet darauf hin, dass Curlin für den plötzlichen Kindstod verantwortlich sein könnte, nimmt man die Tatsache hinzu, dass Curlin bei Versuchen an Mäusen einen Schock verursacht."

Unter dem Begriff "plötzlicher Kindstod" verstehen die Mediziner unerwartete Todesfälle im ersten Lebensjahr. Die Kinder sterben im Schlaf an einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen. Der Großteil der Opfer ist zwei bis vier Monate alt, 60 Prozent sind Buben.

Störung der Funktion des Zentralnervensystems vermutet

Ärzten gibt das Phänomen nach wie vor Rätsel auf. Es wird vermutet, dass bei vielen Fällen eine Störung der Funktion des Zentralnervensystems eine Rolle spielt, so dass Babys nicht aufwachen, wenn Probleme mit der Atmung, dem Herzschlag, dem Blutdruck oder der Körpertemperatur auftreten.

Dr. Carl Hunt, Direktor am Amerikanischen Institut für Herz, Lunge und Blut, erklärte, die neuen Forschungen Goldwaters seien kein Widerspruch zu der verbreiteten Theorie einer Störung im Zentralnervensystem. Die Todesfälle könnten von einer Infektion ausgelöst worden sein, aber auch von einer Kombination genetischer Faktoren, von einem geschwächten Immunsystem oder Umweltfaktoren wie Bauchlage oder Zigarettenqualm. "Was wir heute immer mehr erkennen ist, dass der plötzliche Kindstod eine Vielzahl verschiedener Ursachen bei den einzelnen Kindern haben kann."

Alarmzeichen

Weitgehend einig sind sich die Wissenschafter darin, dass bestimmte Kinder einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Dazu gehören Frühgeborene sowie Kinder von Raucherinnen und Drogenabhängigen. Auch Neugeborene, die aus unerklärlichen Gründen mit der Atmung nicht zurecht kämen, gelten als gefährdet. Daneben gibt es Alarmzeichen, bei denen die Eltern zum Arzt gehen sollten: Wenn Babys im Schlaf heftig schwitzen, Atempausen von mehr als 15 Sekunden machen, beim Saugen und Schlucken immer wieder nach Luft ringen oder plötzlich bläulich anlaufen.

Auch äußere Faktoren spielen eine Rolle. So gilt es als gefährlich, Kinder in Bauchlage schlafen zu legen oder im Schlaf zu hohen Temperaturen auszusetzen. (APA/AP)

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    E. coli

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