Otto Becker – ein Mann mit Träumen

7. Mai 2002, 10:21
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Mit dem Sieg im Weltcup-Finale von Leipzig ging für den 43jährigen deutschen Springreiter ein weiterer Lebenstraum in Erfüllung – und seine sportliche Erfolgsliste ist damit, nach vielen Höhen und Tiefen, beinahe komplett.

Mit seinem ersten Sieg in einem Weltcup-Finale ging für Otto Becker, wie er selbst meinte, „ein Traum in Erfüllung“. Mit seinem Sieg im Großen Preis von Aachen hatte sich Otto Becker im Jahr 2000 bereits einen weiteren erfüllt – und sich damit auch endgültig sein Ticket zu den olympischen Spielen von Sydney gesichert. .Und dort schlug bekanntlich seine ganz große Stunde: Er holte mit der deutschen Equipe Mannschafts-Gold und belegte in der Einzelwertung Platz fünf. Nach vielen Rüchschlägen in den vergangenen Jahren, in denen seine Pferde nicht zum rechten Zeitpunkt fit waren, ist es Otto Becker zum richtigen Zeitpunkt gelungen, den Holsteiner Hengst Dobel's Cento auf den Punkt genau in Höchstform zu präsentieren. Dafür hatte der Sieger der West-Europaliga des Worldcups 1999/2000 auch auf die Teilnahme am Worldcup-Finale 2000 in Las Vegas mit dem Schimmelhengst verzichtet und mit dem international unerfahrenen Padarco einen respektablen neunten Platz belegt. Für Otto Becker waren die Olympischen Spiele in Sydney jedoch nicht die ersten, bereits 1992 hatte er in Barcelona teilgenommen. Otto Beckers internationaler Durchbruch war 1989 mit seinem Wechsel in den Stall von Paul Schockemöhle gekommen. Und auch sein zweites „Comeback“ Ende der 90er Jahre verdankt er dem großen Lehrmeister aus Mühlen.

Otto Becker, geboren am 3. Dezember 1958 in Steinfeld (Weser-Ems) kam bereits als Kind mit Pferden in Kontakt. Schon mit sieben Jahren hatte er, trainiert von seinem Vater, auf der elterlichen Reitanlage mit dem Reiten begonnen. 1976 wurde der gebürtige Groß-Ostheimer deutscher Juniorenmeister. Mit seinen Pferden Lexington, Mentor und Condino stellten sich ab 1985 auch im Seniorenbereich internationale Erfolge bis hin zu vorderen Plazierungen in Großen Preisen und bei Worldcup-Springen ein, so u. a. Platz zwei beim Worldcup-Springen 1986 in Bruxelles, einem dritten Platz 1983 im Großen Preis im spanischen Gijon oder Platz drei im Großen Preis von Luzern 1988. Als im Sommer '89 Ludger Beerbaum den Stall von Paul Schockemöhle verließ, sollte Otto Becker seine Stelle nur vorübergehend ausfüllen. Eigentlich war geplant, daß der gelernte Winzer einmal das Weingut und das Weinlokal von seinen Eltern übernehmen soll. Beides ist mittlerweile verpachtet, denn aus dem kurzfristigen Aufenthalt wurden vier Jahre in Mühlen. Bereits im Sommer '89 nahm Otto Becker mit Lucky Luke an den Europameisterschaften teil und wurde mit der deutschen Equipe Fünfter. Ein Jahr später folgte sein bisher größer Erfolg bei einem internationalen Championat. Bei den ersten Weltreiterpielen 1990 in Stockholm wurde Otto Becker auf der westfälischen Polydor-Tochter Pamina, mit der er zuvor seinen erste deutschen Meistertitel gewonnen hatte, Mannschafts-Vize-Weltmeister und verpaßte mit Platz fünf in der Einzelwertung nur ganz knapp das vierlköpfige Finale mit Pferdewechsel um den Einzeltitel. Im Worldcup-Finale '91 folgte ein vierter Platz ebenfalls mit Pamina und im selben Jahr nahm das Paar auch an der EM teil, allerdings wurde es nur ein 16. Platz in der Einzelwertung und Platz fünf mit der Mannschaft.

Nach seiner Heirat 1993 mit der vierfachen Dressur-Olympiasiegerin Nicole Uphoff machte sich das Paar mit einem Dressur- und Springstall in Warendorf am Bundesleistungszentrum selbstständig. Otto Becker baute sich einen neuen Stamm an Pferden auf und wurde mit Ascalon 1994 erneut deutscher Meister. Doch der westfälische Wallach war so kurzfristig wieder fit geworden, daß er für die Weltreiterspiele 1994 in Den Haag nicht auf der Longlist genannt war und somit nicht nominiert werden konnte. Der deutsche Meister konnte sich die WM nur als Zuschauer ansehen. Nach dem Scheitern seiner Ehe mit Nicole Uphoff kehrte er 1997 in den Stall von Paul Schockemöhle zurück. Seitdem reitet Otto Becker zum Teil Pferde aus dem Besitz des dreifachen Europameisters und zum Teil aus dem Besitz anderer Personen, wie z.B. dem Capitol I-Caletto II-Sohn Dobel's Cento, der dem Gestüt Dobel gehört. Und auch mit der sportlichen Erfolgskurve ging es wieder steil bergauf: 1998 siegte Becker im Großen Preis von Arnheim, 1999 holte er Platz eins im Großen Preis von Rostock, wurde Dritter im Weltcup-Springen von Helsinki und Fünfter im Weltcup-Springen von Oviedo. Das Jahr 2000 wurde schließlich zu einem der erfolgreichsten seiner ganzen Karriere – denn zum Mannschafts-Olympiasieg von Sydney und dem Sieg im Großen Preis von Aachen gesellten sich eine ganze Reihe weiterer sportlicher Highlights: Becker wurde im Januar 2000 Zweiter im Großen Preis von Hannover, im Februar Zweiter im Worldcup-Springen von Bordeaux und im März Sieger im Worldcup-Springen in 's-Hertogenbosch. 2001 wurde er mit Dobels Padarco Zweiter im Großen Preis von Helsinkborg und Dritter im Weltcup-Springen von Bordeaux.

Vielleicht ist es ja nicht zuletzt das Glück in der Liebe, das für Otto Becker den sportlichen Erfolg zurückbrachte. Im Mai 2000 heiratete er Julia Wilcke, die Tochter von Harald Wilcke, dessen rheinische Polydor-Sute Bellenuit Otto Becker zu vielen Erfolgen in internationalen Springen verholfen hat.
Birgit Popp/Pferderevue

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    Otto Becker ist seit Ende der 90er Jahre wieder sportlich obenauf: Mannschafts-Olympiasieg, Sieg im Großen Preis von Aachen – und nun Sieg im Weltcup-Finale von Leipzig.

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