Das Ende der Austro-Kanadier

6. Mai 2002, 13:06
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Dominic Lavoie geht - Die Welle der Einbürgerungen im österreichischen Eishockey ist vorbei

Oslo - Als der Kanadier Adelbert St. John 1961 den österreichischen Pass bekam, begann im heimischen Eishockey eine Entwicklung, die 20 Jahre später voll einsetzte und als die Ära der "Austros" gilt. Am Montag könnte mit dem letzten Länderspiel von Dominic Lavoie diese Ära der Austro-Kanadier zu Ende gegangen sein. Wenn nicht Tom Searle oder Simon Wheeldon zurück kommen, ist nach insgesamt 29 eingebürgerten Austro-Kanadiern mit 1.429 Spielen im rot-weiß-roten Trikot (vorerst) Schluss. "Searle und Wheeldon haben eher Nein gesagt", erklärte Verbandskapitän Giuseppe Mion.

1981 saßen Jeff Geiger und Rick Cunningham im Flugzeug, das die ÖEHV-Auswahl zur C-WM nach China brachte. Sie waren Kanadier mit österreichischen Vorfahren, die vom Salzburger Werhan geholt wurden. In den Vereinen, aber vor allem im Team erfüllten sie ihre Aufgabe. In China verließ Österreich endgültig die dritte Leistungsstufe, in Klagenfurt 1992 stieg die ÖEHV-Auswahl erstmals in die Elite auf und ist seitdem regelmäßiger Gast in der A-Gruppe.

Bis zu zehn Kanadiern in der Mannschaft

Die Austros waren viel diskutierte Entwicklungshelfer in Sachen Eishockey. Bis zu zehn Kanadier bildeten jahrelang das Gerüst der Nationalmannschaft, waren der Jugend Vorbild. Sie waren Österreicher auf Zeit, nur wenige blieben im Land. "Wir müssen den Austros dankbar sein", sagt der scheidende Teamchef Ron Kennedy, "sie haben sehr viel gebracht. Die erste Generation hat vielleicht mehr Spielkultur gebracht, jetzt haben wir eine hohe. Zuletzt waren sie am meisten Vorbild mit ihrer Einstellung."

Als Gegenleistung gab es für die Austro-Kanadier den Pass und damit die Chance, bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften auf höchstem Niveau anzutreten. Zudem entgingen sie der Ausländer-Regelung und hatten nach dem EU-Beitritt Zugang zu einem praktisch grenzenlosen europäischen Arbeitsmarkt mit guten Verdienstmöglichkeiten beispielsweise in Deutschland.

Mit dem ehemaligen Italo-Amerikaner Kent Salfi und Mark Szücs, der zwar in Kanada geboren ist, aber von Geburt an die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, sind noch zwei "Legionäre" dabei, die allerdings keine "echten" Austro-Kanadier und im Team keine Führungspersönlichkeiten sind. Früher wurde im Powerplay englisch gesprochen, damit ist es vorbei. Die heimischen Talente haben sich entwickelt.(APA)

  • Die 29 einbürgerten Austro-Kanadier im österreichischen Eishockey-Nationalteam:

    Brian Stankiewicz (124 Länderspiele), Mike Shea (123), Ed Lebler (111), Rick Nasheim (108), Kelly Greenbank (85), Rick Cunningham (85), Tom Searle (78), Bernie Hutz (69), Adelbert St. John (63), Robin Doyle (63), Dominic Lavoie (56), Jim Burton (54), Simon Wheeldon (54), Greg Holst (53), Jeff Geiger (52), Norm Krumpschmid (40), Ken Strong (38), Wayne Groulx (28), Marty Dallmann (24), Brian Hill (23), Robin Sadler (21), Ray Podloski (15), Steve Stockman (14), Gary Venner (12), Kraig Nienhuis (12), Rick Grenier (11), Steve Polgar (8), Neil Belland (3), Don Nachbaur (2).

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