Die hohe Kunst des Networkings

13. Juni 2002, 15:23
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Teil 2: Wer Aufnahme in bestehende Netzwerke anstrebt, sollte überlegen, was er zu bieten hat. Smalltalk hilft über die ersten Barrieren hinweg, Beziehungskompetenz fördert die Stabilität.

"Wer Karriere machen will, muss wahrgenommen werden und von sich reden machen", ist Karin Schmollgruber, Geschäftsführerin von Successagent PR & Marketing überzeugt. Als Einstiegshilfe eigne sich Smalltalk, allerdings nicht von der Stange: "Jeder muss da seinen individuellen Stil entwickeln, damit es authentisch wirkt. Wenn Sie schon immer eine bestimmte Person kennen lernen wollten, dann sagen Sie es der betreffenden Person einfach", denn, so Schmollgruber: "Wir Menschen wollen im Grunde alle Anerkennung und Liebe."

Perfekt für den Gesprächseinstieg sei der Grund für die eigene Anwesenheit und ein Bezug zur aktuellen Situation: "Beim Buffet über das Essen, beim Kongress über Inhalt und Organisation, bei der privaten Einladung über den Gastgeber."

Wichtig sei es, Ansätze für weitere, tiefergehende Gespräche herauszufinden, also mehr über die Interessen des Gesprächspartners zu erfahren, weiß Schmollgruber, denn "so erhalten Sie weitere Anknüpfungspunkte. Vertieft sich das Gespräch, sollten Visitkarten ausgetauscht werden, um die Möglichkeit einer späteren Kontaktaufnahme sicherzustellen.

Jani Newrkla, Managing Partner der Werbeagentur Blue Tango, begründet den Erfolg netzwerkagierender Unternehmen: "Sie kombinieren die Fähigkeiten unterschiedlichster Talente, etwa zur Produktion intangibler Güter wie Ideen oder Wissen." Das älteste wirtschaftliche Netzwerk sei Hollywood und die Filmindustrie. Aber auch hinter vielen bekannten Marken, ob DKNY oder H&M, stecke jeweils ein Netzwerk, konkret: Das Li-Fung-Familiennetzwerk aus Hongkong.

"Li Fung arbeitet mit 7500 Partnerfirmen in 27 Ländern und einer Million Mitarbeitern. Netzwerken heißt also Leute zusammenzubringen um Riesenprojekte durchzuführen", resümiert Newrkla, der unter anderem netzwerkförmig mit den größten Namen unter den Kreativen dieser Welt kooperiert. So entstand zum Beispiel bei Blue Tango der aufsehenerregende Werbespot für mobilkom austria unter der Regie von Wim Wenders.

"Wie man an solche Leute herankommt? "Wer ein Netzwerk aufbauen oder Teil eines bestehenden werden will, braucht Beziehungskompetenz", konstatiert der 56-Jährige. "Erfolg und Innovation entstehen, wo Menschen und Ideen aufeinander treffen. Dort, wo nur Information, aber keine Ideen, nur Arbeit und kein Geld fließen, reißen Netzwerke." Zur "Grand Competence" führten hingegen langfristiger Beziehungsaufbau, Anreize, Kooperation und gelebte Netzwerkkultur. Wo diese schon zum neuen Führungsstil avanciert ist, lesen Sie am 11. Mai im dritten Teil dieser Serie. (Der Standard, Printausgabe)


Aus Johanna Zugmanns neuem Buch "Karriereplan Wien"

Serie: Erfolg haben, authentisch bleiben - Teil 2

Karriere-Expertin Karin Schmollgruber und Topwerber Jani Newrkla wissen, wie der Einstieg in Netzwerke gelingt, warum diese funktionieren und wie sie zu pflegen sind
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