Vorbildliche Freundschaft

3. Mai 2002, 22:52
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Beckmann bei Modern Art-Auktion in New York

Versteckte Metaphern in allem, was sichtbar ist, das vermutet nicht nur ein Insider bei den Arbeiten von Max Beckmann, die im Großen und Ganzen herausragen aus dem Feld der später als Gruppe zusammengefassten Expressionisten. Haben sich meist deutsche Versteigerer um die auktionsmäßige Vermarktung der Expressionisten gekümmert, so freuen sie sich in den vergangenen Jahren auch international größerer Beliebtheit und könnten bald den Stellenwert der materialmäßig ausgedünnten Impressionisten einnehmen. Im Vorjahr verkaufte Sotheby's Beckmanns Selbstbildnis mit Horn für 22,6 Millionen Dollar - laut dem Auktionshaus der bis dato höchste auf Auktionen erzielte Preis für ein deutsches Werk, auch Christie's glänzte mit guten Ergebnissen.

Im Rahmen der Impressionisten und Modern-Art-Sales, die die beiden Auktionsgiganten vom 7. bis 9. Mai in New York abhalten werden, kommen sieben besondere Gemälde bei Sotheby's unter den Hammer. Sie sind stark mit Beckmanns persönlichem Schicksal verwoben. Ernest Gustav Morgenroth, 1910 als Sohn einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters geboren, war lebenslang mit dem Maler verbunden. Morgenroth, der sich Stephan Lackner nannte, war Poet, Dramatiker, Journalist und Violinspieler, hielt sich viel in Deutschland auf und traf erstmals, als Student, Ende der 20er-Jahre auf Beckmann. Das zündende Erlebnis kam 1933, als Lackner darauf bestand, im Museum in Erfurt die im Keller aufbewahrte "entartete Kunst" Beckmanns zu sichten. "Wie konnte man solche Bilder verbannen?", schrieb Lackner darauf, und wurde seitdem Beckmann-Sammler.

65 Gemälde hat der Poet, der sich später in Santa Barbara, Kalifornien, ansiedelte, bis zu seinem Tod im Jahr 2000 erworben. Unter den sieben bei Sotheby's offerierten Bilder befindet sich auch Beckmanns Porträt des Sammlerfreundes (siehe Abbildung). Es soll gleich viel kosten wie ein einprägsames Stillleben, 600.000 bis 800.000 Dollar. Lackner gab sein Porträt 1937 in Auftrag, gesehen und gekauft hat er das Bild erst 1947. "Der Wächter des Buches" hat Lackner dieses Porträt getauft. Das Selbstbildnis Beckmanns und seiner Frau ist das teuerste der diesmaligen Offerte, ein Zeugnis der Angst und Unbehaustheit im - damals - Amsterdamer Exil.

Von
Doris Krumpl


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Beckmann bei Sotheby's
  • Max Beckmann, Frau im Bett, ca. 1932 (Detail)
    foto: sotheby's.com

    Max Beckmann, Frau im Bett, ca. 1932 (Detail)

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