Das Kind im Mittelpunkt der pädagogischen Bedürfnisse

2. Mai 2002, 10:59
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Vor 50 Jahren starb Maria Montessori - Die erste italienische Ärztin revolutionierte die Sichtweise der Pädagogik

Wien - "Vom Greifen zum Begreifen" ist ein Grundsatz der vor rund 95 Jahren begründeten Pädagogik von Maria Montessori, deren Todestag sich am 6. Mai zum 50. Mal jährt. Mit ihrer These, das Kind und seine spielerischen Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Lernens zu stellen, revolutionierte die erste weibliche Ärztin Italiens nachhaltig die Sichtweise der Pädagogik.

In den zwanziger und dreißiger Jahren fand Montessoris Theorie von der Selbstbestimmung und Anleitung der Kinder beim Lernen zahlreiche Anhänger in ganz Europa. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten verschwand diese Form des "freien" Unterrichts von den Lehrplänen. Nach Österreich kehrte die Montessori-Pädagogik erst in den vergangenen 20 Jahren zurück.

Erste italienische Ärztin

Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in Ancona (Italien) in ein bürgerliches Elternhaus geboren. Schon früh hatte sie den Wunsch, später Ingenieurin zu werden. Nach einem Technikstudium in Rom - wohin ihre Eltern zogen, als sie sechs Jahre alt war - überraschte sie die Familie mit ihrer Absicht, auch Medizin zu studieren. Doch der Zugang war nur männlichen Studenten vorbehalten. Mit Ausdauer und Hartnäckigkeit erkämpfte sie sich schließlich ihre medizinische Ausbildung und wurde - trotz zahlreicher Anfeindungen - 1896 als erste italienische Ärztin gefeiert. Montessori spezialisierte sich auf die Arbeit mit Kindern, und aus der Konfrontation mit geistig behinderten Buben und Mädchen erwuchs der Wunsch, im pädagogischen Bereich zu arbeiten.

Lernschwächen

Auf Grund der Erfolge, die sich in ihrer Methode bei der Entwicklung der Wahrnehmung und Geschicklichkeit geistig behinderter Kinder einstellte, begann sie, dieses Modell auch auf "gesunde" Kinder mit Lernschwächen umzusetzen. 1907 gründete sie das erste Kinderhaus (Casa dei Bambini) San Lorenzo in Rom, dem im Laufe der Jahre zahlreiche weitere in Europa folgen sollten. Den ersten Ausbildungskurs für Lehrer hielt Montessori 1909 ab. Ab diesem Zeitpunkt begann die Pädagogin, sich ausschließlich der "Bewegung" zu widmen, quittierte den Dienst an der Universitätsklinik und ließ ihre Praxis auf. Ihren Unterhalt verdiente sie mit Vorträgen und Publikationen.

Freudvolles Lernen

Montessori war davon überzeugt, dass Kinder "konkretes Material" brauchen, um mit ihren Händen genau die Handlungen zu vollziehen, die ihnen das Verständnis abstrakter Vorgänge ermöglichen. Seit den Anfängen gab es eine kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Lern- und Übungsmaterialen. Das Ziel war und ist, ein "freudvolles Lernen in entspannter Atmosphäre, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu unterstützen", nach dem Grundsatz "Hilf mir, es selbst zu tun". Montessori wollte weg von der Bevormundung hin zu einer "Begleitung" der Lernenden. (APA)

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    Maria Montessori

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