Kaffee vom anderen Stern

7. Mai 2002, 11:30
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Andreas Bugram restauriert alte italienische Espressomaschinen - die Verbindung von Schönheit und Aroma

Die Fensterbretter seiner Wohnung in Wien-Neubau sind schon komplett mit Metallobjekten namens "Vesuviana", "Atomic" oder "La Spaziale" verstellt. Unter den Sesseln im Vorzimmer ist noch ein bisschen Platz, zumindest unter ein paar. 50 bis 60 alte Espresso- und Moccamaschinen aus Italien besitzt Andreas Bugram zurzeit, und das, "obwohl ich meine Freunde alle schon mit Pavonis ausgestattet habe".

Er habe immer schon gerne alles zerlegt und wieder zusammengebaut, erzählt der 37-Jährige, und als er eines Tages eine alte Pavoni - der Klassiker unter den Hebel-Espressomaschinen - auf dem Müll fand, sie ansteckte und die sogar noch funktionierte, war der Weg geebnet. "Ich gehe gerne auf den Flohmarkt, na ja, und da sind's dann halt immer mehr geworden." Wobei man sagen muss, dass sich dieser Müllhaufen eben in Mailand befand, wo Bugram auch das Glück hatte aufzuwachsen und wo man auf den Flohmärkten auch noch entsprechende Nahrung für so ein spezielles Faible finden kann.

Und nicht nur das, sondern auch eine äußerst lebendige Sammlerszene. Bugram erzählt da von Menschen, deren Wohnungen bis oben hin mit originalen Dichtungen und Ersatzteilen vollgeräumt sind und bei denen man sich als Sammler dann auch zwangsläufig begegnet. "Die kennen sich alle dort, einer hat sogar 800 Stück eines einzigen Modells, verteilt auf fünf Keller", erzählt Bugram Dass es sich da dann aber schon um eine recht deutliche Ausprägung dieses Spleens handelt, ist ihm schon klar.

Er selbst verwendet zurzeit am liebsten eine Faema mit einem skurrilen Sichtfenster, das den Blick auf die Feder freigibt, "der Kaffee wird besser, je öfter man die Maschine verwendet". Die einzige Maschine, die er in seiner Küche stehen hat, ist das aber natürlich nicht, die "Quickmill" mit roten Plastikapplikationen verlangt zum Beispiel schon wegen ihres doppelten Filters nach Benutzung, "der macht eine besonders gute Crema". Wobei der Umgang mit den Oldtimern sowieso eine gewisse Erfahrung erfordere, "beim ersten Mal wird der Kaffee meist eh nix", die Temperatur, die Mahlstärke des Kaffees, die Kraft beim Betätigen des Hebels - italienischer Espresso ist eben Gefühlssache.

derStandard/rondo/3/5/02

von Florian Holzer

Andreas Bugram, Tel.: 01 / 524 80 34
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