Bodenlos schön

3. Mai 2002, 15:41
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Ein prächtiger Fotoband beschreibt die Gartenwelten des Markus Lederleitner

Es ist ein sauberes Buch, das gerade über den Trendgärtner - so nennt der Umschlagtext das Unternehmen Lederleitner - erschienen ist. Der 150 Jahre alte Gartenbaubetrieb mit Gärtnereien, Orangerie, Büro für Gartengestaltung und anderen Zweigstellen ist mittlerweile in der Tat ein stadt- und landesweiter Begriff in Sachen Gartenkultur und ein Ia-Anbieter von schönen Dingen. Blättert man durch die 150 Seiten des aufwändig produzierten Bandes, ist es ein wenig so, als würde man über die 1000 Quadratmeter der römischen Markthalle im Souterrain der Wiener Börse wandeln, in denen Lederleitner neueste Trends aus der Floristik und prachtvolles wie auch verspieltes Zubehör aus dem Accessoires-Bereich sowie sehr exklusive Gartenmöbel präsentiert.

Auf jeder Menge Hochglanz kann der Betrachter Markus Lederleitner bei der Gartenarbeit erwischen, seinen Kindern beim täglichen Gang in den Hühnerstall über die Schulter lugen und eine Blüten-und Früchtepracht finden, wie man sie derlei angehäuft in freier Natur lange suchen kann.

Pralle Tomaten, blendend leuchtende Zitronen, Basilikumbüschel wie aus Marzipan und Tautröpfchen, die wirken, als wären sie aufs Grün drapiert worden, flashen dem Betrachter entgegen. Bloß - wo bleibt die Erde, die Mühsal der Gartenarbeit, das Unkraut, die Käfer und der Dreck unter den Fingernägeln? Der Prachtband beschreibt eine Dandyzone der Gartenwelt und scheint sich vor essenziellen Facetten von Mutter Natur zu verstecken. Die abgebildeten Beeren, Sträucher und Blüten wirken, als würden sie nicht aus der Erde wachsen, als wäre ihnen Welkheit und Fäulnis fremd und der Garten eine schnieke Weiterführung eines durchgestylten Interieurs.

maik

derStandard/rondo/3/5/02

Gisela Winkelhofer, Inge Prader: Lebenskultur, Markus Lederleitner mit Natur, Edition artco 2002. EURO 39
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