Networking als Arbeits- und Lebensstil

13. Juni 2002, 15:21
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Teil 1: Mehr Selbstständigkeit, mehr Kommunikation, mehr Veränderungsbereitschaft - Wirtschaften insgesamt, aber auch persönlicher Erfolg ist im Netzwerk mit anderen leichter und besser zu bewerkstelligen denn als Einzelkämpfer

Im alten Karrieredenken verfingen sich viele vermeintliche Aufsteiger in den undurchsichtigen Hierarchien bürokratisierter Unternehmen, oder legten sich durch Machtkämpfe gegenseitig lahm. Ellbogenkämpfern drohen rasch Frustration und Einsamkeit.

Die Wirtschaftskultur der New Economy hat ansatzweise gezeigt, wie's anders geht: Lassen Sie die alten Denkstrukturen der Arbeitswelt los - und knüpfen Sie ein eigenes berufsorientiertes Netzwerk. Machen Sie aus Ihrer beruflichen Zukunft ein soziales Projekt.

In einer Wirtschaftwelt, in der es zunehmend auf Kreativität, Flexibilität, soziale und kommunikative Kompetenz ankommt, hat der Rambo-Karrierestil keine Chance mehr. Erfolg hat, wer kooperieren, moderieren, kontaktieren und kooptieren kann, um Ziele zu erreichen. "Networking" ist mehr als nur ein Mittel zum Karrierezweck: Es ist ein Arbeits- und Lebensstil, der sich in Zukunft durchsetzen wird - obwohl er schon auf eine lange Tradition verweisen kann.

Wer sich vom Ellbogendenken der Vergangenheit verabschiedet, muss vor allem andere Fragen an seine Zukunft richten als die traditionellen Karrierefragen. Diese lauteten unter anderem:

  • Wie viel will ich heute/ nächstes Jahr/in fünf Jahren verdienen?
  • Welcher Arbeitgeber zahlt die höchste Gage?
  • Wie lange muss ich arbeiten?
  • Wie viel Urlaub steht mir zu?
  • Wie schlage ich die Mitbewerber aus dem Rennen?
  • Wie verhindere ich, dass mich andere aus dem Rennen schlagen?
  • Was muss ich tun, um meine Position abzusichern?

Die zielführenden neuen Karrierefragen lauten hingegen:
  • Wie habe ich beruflichen Erfolg nicht gegen, sondern mit anderen Menschen?
  • Wie knüpfe ich ein spannendes und zugleich sicheres Netzwerk?
  • Welcher Arbeitgeber passt am besten zu mir - zu meinen Zielen, Vorstellungen und zu meinem Verständnis von erfolgreichem Wirtschaften?
  • Ist es möglich, beruflich erfolgreich zu sein, ohne dafür das Privatleben zu opfern?
  • Wie lässt sich beruflicher Erfolg mit Kindern und Partnern vereinbaren?
  • Was mache ich, wenn ich mich verändern will?
  • Worauf kommt es beim Neustart mit 40 oder 50 an?
  • Wie setze ich meine Ideen und Vorstellungen als Selbstständiger in die Tat um?
  • Wie baue ich ein Netzwerk gemeinsam mit anderen Selbstständigen auf?

Durchs Netzwerken kommen Karrieren zustande. Die entscheidende Frage vor der Knüpfung erster Knoten ist: Wie lerne ich möglichst viele und möglichst die richtigen Leute kennen, die mich weiterempfehlen, und wie werde ich zu einem Knotenpunkt in einem Netzwerk, der selbst erfolgreiche Empfehlungen abgibt oder Kontakte herstellt? - Tatsache ist: Wer über die notwendigen Kontakte verfügt, hat bei der Arbeitsplatzsuche klare Vorteile.

Networking ist Sozialverhalten mit System. Studien zeigen: Viele interessante Stellen werden durch Vermittlung von Bekannten besetzt. Grundlage jedes Netzwerkes ist eine Netzwerkliste, die den Status quo Ihrer beruflich relevanten Sozialkontakte festhält.

Natürlich stellt Networking den ungeübten Netzwerk-Anfänger vor ein Selbstüberwindungsproblem: Vielen ist es peinlich, auf Veranstaltungen und Events umherzulaufen, sich artig vorzustellen, seine Visitkarten auszuteilen und interessiert am Smalltalk teilzunehmen. Wie Sie dabei vorgehen, lesen Sie am 4. Mai im zweiten Teil dieser Serie. (Der Standard, Printausgabe)


Aus Johanna Zugmanns neuem Buch "Karriereplan Wien"

Serie: Erfolg haben, authentisch bleiben - Teil 1
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