"Großmutter, wir danken dir!"

21. Juni 2002, 12:28
posten

Das Festival "Wien ist andersrum" geht ins verflixte 7. Jahr - (fast) ohne die Geschwister Pfister, mit Tim Fischer und unter einem aktuellen Motto

"Großvater, wir danken dir!", tönten Vergangenheitsverklärer, die gegen die derzeit stattfindende Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht in Wien demonstrierten. Den OrganisatorInnen von "Wien ist andersrum" Anlass genug, für die diesjährige Auflage des traditionellen lesBIschwulen Kulturfestivals eins draufzusetzen: "Großmutter, wir danken dir!" lautet das Motto im heurigen "verflixten siebten Jahr". - Die Verballhornung als Gegenstatement zum in jeder Beziehung kühler gewordenen politischen und gesellschaftlichen Klima in Österreich. Und zugleich Verweis auf die Täter-Opfer-Verstrickung auch von Schwulen, Lesben und Transgender-Personen im Dritten Reich.

Subventionsmäßig vom Bund wie gewohnt im Stich gelassen, hat sich das Festival (nach der vorjährigen Rekordgröße im Rahmen der Europride mit an die 15.000 ZuschauerInnen) erwartungsgemäß ein wenig zurückgenommen. Die meisten Veranstaltungen werden heuer in der Casanova Bar über die Bühne gehen. 87.000 Euro Förderung durch die Stadt Wien und Sponsorengelder ermöglichen die bewährte Mischung aus Theaterperformances, Musik und Stand Up Comedy, für die nach dem Wechsel von Jochen Herdieckerhoff ans Theater im Rabenhof Hannes Sulzenbacher alleinverantwortlich zeichnet.

Altbewährtes und neu zu Entdeckendes

Neben Stammgästin Georgette Dee (am 28. 6. im Konzerthaus) sowie Vorjahresliebling Maren Kroymann (20. 6.) zählen die heimischen Acts Villa Valium (Festivaleröffnung am 6. 6. mit dem neuen Programm "Auferstehung", weiters am 8. und 11. - 13. 6.), The Gablitzers (8., 13./14. und 21./22. 6. im Rabenhof mit einer "Carmen" der anderen Art) und Lucy McEvil (21. 6.) zum vertrauten Festival-Repertoire. Ein Wiedersehen gibt es heuer auch mit dem schrillen "singenden Krisengebiet" Emmi Hempel-Bertie (23. und 25. 6.); begleitet von der vor einem Müllschlucker aufgelesenen russischen "Tastenfachkraft" Valentin Willnowsky. Heuer läuten übrigens Hochzeitsglocken ...

Neu zu Entdeckendes gibt es ebenfalls: zunächst Daniel Isengart, Jungstar des Chansons, der auch vor Neu-Interpretationen von Pop-Songs von Knef bis Morissette nicht zurückschreckt (7. und 9. 6.), die "schwangere Country-Sängerin und mögliche verlorene Kusine der Geschwister Pfister", Ursula West (17. bis 19. 6.), von der die New York Times meinte: "She is a person who even the sourest of cynics would have trouble not liking" sowie die akrobatische argentinisch-niederländische Performerin Kris Niklison (26.6. im dietheater Künstlerhaus). Wo nicht anders gekennzeichnet, findet die Veranstaltung in der Casanova Bar statt.

Höhepunkte

Potenzieller Star des Festivals dürfte der kompromisslose Berliner Chanson-Star Tim Fischer mit seinem Programm "Walzerdelirium" werden, das Dreivierteltakt-Interpretationen von Freddie Mercury bis Cora Frost bietet (22.6.). Tim Fischer ist - man glaubt es kaum - heuer zum ersten Mal bei "Wien ist andersrum".

Am 29. Juni dann wird die alljährliche Regenbogenparade andersrum um den Ring ziehen - und damit das Festival beschließen. (Josefson)

Andersrum.at
(die Webseite ist erst im Aufbau begriffen)

Das Festival findet von 6. bis 29. Juni in Wien statt.
Share if you care.