"Widersinn" Gleichberechtigung

29. April 2003, 10:56
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Für "Zur Zeit"-Mitherausgeber Dengler ist die Forderung nach Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern an sich schon ein "Widersinn"

Eigentlich sollten wir es ignorieren. Doch. Nein. Doch. Nein, denn es ist bezeichnend für ein ganz bestimmtes Frauenbild. Gebetsmühlenartig und nahezu beschwörend wird in der rechten Zeitschrift "Zur Zeit" ein Bild der Frau eingefordert, dem wir hiermit ein für alle Mal eine dicke Zitrone verleihen wollen.

Nehmen wir als Beispiel - für so viele andere zweifelhaften Beiträge in der vom rechtsgerichteten ehemaligen FP-Kulturberater Andreas Mölzer herausgegebenen Zeitung - den Kommentar von Dr. Johann Josef Dengler vom 12. April diesen Jahres, auf Seite 19 mit dem Titel: "Liebesentzug für Frauenrechte".

Sogleich werden wir in sein Denkschema eingeführt: Die Einforderung der Gleichberechtigung mit dem Mann ist für den ehemaligen Botschafter an sich ein "Paradoxon (Widersinn)". Es folgt das Verteufeln eines "Mann-Gleich-Sein" –Wollens von Frauen: Die Mehrheit bezahle dafür mit "Überanstrengung, Zwang zur Mehrleistung, Zeitnot, unfreundlicher Umwelt und – Liebesverlust", weiß Dengler.

Das "ureigenste" Gebiet der Frau

Liebesverlust: Darauf wollte Herr Dengler wohl hinaus, denn die arbeitende und dem-Mann-gleich-sein-wollende Frau verliert damit klarerweise die Liebe des Mannes. Denn "für ihr ureigenstes Gebiet" bleibt ihr ja tatsächlich kaum Zeit mehr.

Wir ahnen es: Frau hat für den Mann da zu sein, ihm zu dienen und Kinder zu gebären. Das ist ihr "ureigenstes Gebiet" – und tatsächlich: der Mitherausgeber der rechten Zeitschrift scheut nicht, es auszusprechen: Frau hat "attraktiv, klug, verständnisvoll und liebenswert für ihren Mann, Eltern und Kinder" zu sein. Erst dann wird sie als "fesch, schön, fraulich, mütterlich und damenhaft" geschätzt.

Wie kann frau sich sowas entgehen lassen? Welche Frau möchte denn nicht als "fesch, schön, fraulich, mütterlich und damenhaft" geschätzt werden? Das ist doch unser aller Ziel: dem Manne zu gefallen, nicht?

Ähnlich sexistisch geht es weiter. Doch das sparen wir uns nun.

Stand das tatsächlich im Jahre 2002 in einer Zeitschrift? Zweifel kommen auf. Doch ein überprüfender Blick genügt. Tatsächlich. Eine deftige saure Zitrone für solch rückständige Ansichten! Die gehören in vergangene Jahrhunderte zurück - ein für alle Mal! (aus)

25.04.2002
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