Eine Uni-Reform muss her!

12. August 2003, 11:27
posten

Wo Reform draufsteht, ist jedoch noch lange keine drin

Die österreichische Regierung denkt an Wissenschaft, Forschung und Bildung im Land und legt den Entwurf für ein neues Universitätsgesetz vor. Sie hat recht. Die Universitäten gehören reformiert. Die Lage ist katastrophal. Aus StudentInnen-Sicht sowieso: Teilweise veraltete Studienpläne, oftmals schlecht ausgestattete Institute, überfüllte Hörsäle, stundenlanges Anstehen, um sich für Lehrveranstaltungen anzumelden (ohne Garantie auf einen Platz), zu wenig Stipendien, zu niedrige Stipendien, zu wenig Zeit fürs Studieren durch Nebenjobs, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen (verschärft durch die mit letztem Wintersemester eingeführte Studiengebühr), Evaluation der Lehre ohne Auswirkungen. Da ist die Auwahl der Lehrveranstaltungen nach Interesse sowieso schon ein Luxus, den sich viele nicht leisten können (so es sie im Bereich der Frauenforschung überhaupt gibt).

Elisabeth Gehrer hat recht, hier muss reformiert werden. Das braucht Zeit, die Einbindung aller betroffenen Gruppierungen – und nicht zuletzt Geld. Aber gerade letzteres soll doch von der Regierung eingespart werden. Deshalb die verkündete „Autonomie für die Universitäten“. Selbst entscheiden, selbst verwalten. Das gehört natürlich in einem Gesetz geregelt. Richtig so. Dass der Entwurf für dieses Gesetz von allen Gruppierungen an den Universitäten abgelehnt wird, darf niemanden verwundern. Hier geht's nicht um das Erhalten und Verteidigen von Pfründen und Privilegien (die gerade blau so gerne anprangert und doch für sich selbst beansprucht). Es geht um eine katastrophale Gesetzesvorlage, die in den Absichtserklärungen (Frauenförderung, Frauenforschung) positiv gelesen werden kann, durch die Hintertür den Universitäten aber nur scheinbar die Autonomie gibt. Von der völligen Machtkonzentration auf eine kleine Spitze und fehlenden Sanktionen für nicht umgesetzte Absichten ganz zu schweigen. Dass ungenügende gesetzliche Regeln Frauen nicht den Männern gleichstellt und universitäre Frauenforschung (zu einem Großteil von Externen getragen) marginalisieren und verunmöglichen kann, hat sich in der Vergangenheit leider zu oft bewiesen. Herrschende reproduzieren sich ja selbst.

Hinter der „Reform“ steht nicht der Gedanke, dass die eingangs beschriebenen Missstände beseitigt werden sollen. Nein, der Kapitalismus siegt. Da sind eindeutig zu viele Bildungswillige, die zuviel kosten. Deshalb wird reformiert. Die Elite wird gewünscht. Brechen wir auf zu (volks)wirtschaftlich erwünschten Inhalten und Ausbildungen. Bildung und gesellschaftliche Entwicklung bleiben auf der Strecke, werden nicht gebraucht. Das ist nichts neues in Österreich, wo die Null über allem steht. Nur ja kein (Zahlen)Defizit!

Immerhin hat Gehrer hat schon nachgedacht und sich am Donnerstag endlich "in zahlreichen Punkten" gesprächsbereit gezeigt. Auf zahlreiche positive Änderungen darf nicht unbedingt gehofft werden, aber nehmen wir mal das beste an ...

Daniela Yeoh

19.04.2002
Share if you care.