"Nirgendwo in Afrika": Unentschieden in Afrika

27. Juli 2004, 17:17
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Mädchenjahre im Kenia der 40er-Jahre: Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" auf Basis von Stefanie Zweigs Roman

Es gibt Länder, mit denen man ganz bestimmte Filme assoziiert. Im Fall von Kenia etwa Jenseits von Afrika, Gefühlskino also, Menschendramen vor Naturpanoramen.

Caroline Link (Jenseits der Stille), die Regisseurin, die deutsches Qualitätskino im großen Stil machen will, versucht mit ihrer Verfilmung von Stefanie Zweigs Roman Nirgendwo in Afrika mit diesem Bildschatz reflektierter umzugehen, scheitert jedoch an ihrer Unentschiedenheit:

Foto: Constantin

Der Film erzählt von einer jüdischen Familie, die 1938 aus dem bürgerlichen Breslau in eine abgelegene Farm nach Kenia flüchtet, wo sich die Eheleute (Juliane Köhler, Merab Ninidze) zunehmend voneinander entfremden - erst das Exil treibt die Unterschiede zwischen ihnen hervor.

Allein die Tochter, deren Perspektive Link annimmt, vermag mit der Fremde umzugehen.

Foto: Constantin

Nirgendwo in Afrika begnügt sich aber nicht mit diesem inneren Drama, es holt auch die äußeren Entwicklungen wieder herein, sucht dramatische Zuspitzungen, generiert sich mit aufdringlicher Kamera als Emotionskino - zu dem die Sprödigkeit der Figuren dann so gar nicht passen will.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 4. 2002)

Von
Dominik Kamalzadeh


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