Operationen an der Schnittstelle Geschlecht

17. Juni 2002, 09:21
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Verena Kuni zu "Trans/Gender-Utopien dies- und jenseits der Interfaces"

"Der Versuch, im Rahmen der traditionellen Geschlechtervorstellungen einen Platz als sprechendes Subjekt zu besetzen, führt zur Komplizenschaft in eben jenem Diskurs, den man dekonstruieren möchte."
Medientheoretikerin und Transgender-Aktivistin Rosanne Alluquère Stone

Cyberspace wird vielfach als ein Raum diskutiert, in dem neue Möglichkeiten und Techniken zur Verfügung stehen, die Geschlechtergrenzen zu verwischen und zu überschreiten. Trotzdem sitzen dies- und jenseits der Interfaces nach wir vor Menschen, die in einer individuellen und gesellschaftlichen Realität verankert sind und dessen Netzidentitäten eben nicht nur individuell geformt sind.

Von "Transgender" zu "Trans/Gender"

Dem ursprünglichen Wortsinn nach bezeichnet der Begriff "Transgender" ein Überschreiten der Geschlechtergrenzen, sowohl auf das "körperliche" als auch auf das "soziale" Geschlecht beziehend. Alle Versuche "Transgender" zu definieren, beziehen sich letztlich auf "weiblich" und "männlich". Das Zeichen "/" bedeutet ein Innehalten, das Wahrnehmen der zu überschreitenden Grenze auf der technologischen, biologischen und denkerischen Ebene.

Die "Trans/Gender-Utopien"

Die bestehende Realität (binäre Geschlechtermatrix) könnte laut Butler zu einer Bühne umfunktioniert werden, in der die Geschlechter-Binarität in Verwirrung gebracht wird durch den Diskurs über bereits existierende "alternative" Möglichkeiten und dadurch ihrer grundlegenden Unnatürlichkeit enthüllt.

An der Schnittstelle der neuen Technologien

Geht mensch davon aus, dass das Spektrum der in unserer Gesellschaft verfügbaren Geschlechtsidentitäten und deren Bewertung nicht zuletzt ein Effekt des medialen Diskurses ist, muss hinterfragt werden, welche traditionellen Geschlechterdiskurse auch über die sog. "neuen" Medien transportiert und gefestigt werden. Können sie aber auch zu Brüchen und Differenzen im trad. Diskurs führen und differente Geschlechterutopien entstehen lassen?

"Gender-Benders" in MUDs* und MOOs**

In den ursprünglich rein textbasierenden Spiel- und Kommunikationsumwelten muss zu allererst ein Charakter angenommen werden, mit Name, Geschlecht, Eigenschaften. Viele der inzwischen recht zahlreichen Studien zu MUDs und MOOs haben gezeigt, dass dieselben Geschlechterstereotypen nicht nur die Konstruktion und das Verhalten der TeilnehmerInnen dominieren, sondern auch die Interaktion zwischen und Erfahrungen mit den anderen.

Der ganze Artikel unter: FAKULTAET

*Multi User Dungeon *MUD Object Orientated

(e_mu)

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