Kultur des utopischen Denkens

Redaktion, 09. April 2002 14:11

Ausstellungs-Trio im Künstlerhaus: "mega: manifeste der anmaßung", "Soundspacesound" und Personale Otto Häuselmayer

Wien - Ende Februar ist der Vertrag des Wiener Künstlerhauses mit dem Bildungsministerium ausgelaufen. Mit einem ab Mittwoch bis 2. Juni laufenden Ausstellungstrio sendet das Künstlerhaus nach einer siebenmonatigen Pause von Eigenausstellungen ein "starkes Lebenszeichen" aus der "harten Zeit der totalen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit", sagte Künstlerhauspräsident Manfred Nehrer bei der Presse-Präsentation am Dienstag in Wien. Im Erdgeschoß ist als "Forum für experimentelle Architektur" "mega: manifeste der anmaßung" zu sehen, im Obergeschoß "Soundspacesound" von Bernhard Leitner und in der Künstlerhaus-Galerie eine Personale Otto Häuselmayer.

Utopisches Denken

Für "mega: manifeste der anmaßung" hat ein Kuratorenteam rund um den Kunstpublizisten Jan Tabor 70 Architekten und Architekten-Teams aus dem In- und Ausland eingeladen, sich mit dem Begriff "Mega" auseinander zu setzen, der hier allerdings nicht, wie sonst üblich, negativ ausgelegt wird, sondern vielmehr in Verbindung mit einer Kultur des utopischen Denkens gesehen wird. Das Forum ist zugleich der Versuch einer neuen Präsentationsform an der Schnittstelle zwischen Ausstellung und Symposium. Die einzelnen Beiträge, "Manifeste" genannt, werden erst nach und nach in die kontinuierlich wachsende Schau integriert und jeweils in Form von Diskursen mit Experten aus nicht-architekturspezifischen Disziplinen vorgestellt. "Fertig" ist die Ausstellung somit, wenn überhaupt, erst zum Zeitpunkt der Finissage.

Im Moment sieht der Ausstellungsraum aus wie eine chaotische Baustelle. Auf Pressspan-Plattformen, unterteilt in mehrere 1,8 mal 1,8 Meter-Präsentations-Einheiten, sind bereits ein paar offenbar fertige Beiträge installiert, andere sind gerade im Entstehen, wobei die Form der "Manifeste" derzeit von Modellen über Installationen bis zu Zeichnungen und Plakaten reicht. Über den genauen Zeitplan der Manifest-Eröffnungen informieren die Künstlerhaus-Website und die dort aufliegenden "Architektur & Bau News".

Umfangreiches Rahmenprogramm

Ergänzend zu den "Manifesten" informiert eine "Schöne Ausstellung", unter anderem mit Plakaten, Fotos, Modellen und Publikationen, über die Entwicklung des Megadenkens und Mega-Architektur, Dia-Essays untersuchen Mega-Denken jenseits des Kunst- und Architekturdiskurses. Eine Art Lesecafe mit einem Archiv zum Thema "mega" lädt zum selbstständigen Forschen ein. Außerdem wurde ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Theateraufführungen, Vorträgen, Lesungen, Filmen, Festen und Versteigerungen konzipiert.

"Mega-Spaß"

Für Jan Tabor soll "mega: manifeste der anmaßung" nicht zuletzt ein "Mega-Spaß" werden, und "um mit Karl Marx zu sprechen, zeigen, wie Quantität in Qualität umschlägt". Die Schau soll außerdem den Auftakt für eine künftig regelmäßig stattfindende Triennale experimentaler Architektur in Wien bilden. Integriert in die Ausstellung ist das Kunsthaus Muerz in Mürzzuschlag, wo unter dem Titel "syndrom babylon und die moderne architektur" von 27. April bis 31. Juli die "Schöne Ausstellung" mit Beispielen vorwiegend aus dem Wiener Raum fortgesetzt wird. (APA)

"mega: manifeste der anmaßung. forum für experimentelle architektur", von 10. April bis 2. Juni im Künstlerhaus Wien/Erdgeschoß, geöffnet täglich von 10-18 und donnerstags bis 21 Uhr, www.k-haus.at; "mega: manifeste der anmaßung. syndrom babylon und die moderne architektur", von 27. April bis 31. Juli im Kunsthaus Muerz in Mürzzuschlag, www.mega-architektur.at
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