Sonnenlicht ins klösterliche Mittelalter

von Irene Brickner  |  07. April 2002, 19:59

Stift Altenburg öffnet sich der Architekturmoderne: Ausgrabungsmuseum geplant

Altenburg/St. Pölten - Eine Wendeltreppe aus glasähnlichen Materialien, "architektonisch ganz 21. Jahrhundert", werde aus dem mittelalterlichen ins barocke Stift Altenburg führen, schildert Katharina Blaas, Leiterin der Kulturabteilung der niederösterreichischen Landesregierung. Wenn man auf der Treppe "von unten nach oben steigt": eine chronologische Zeitreise mit freiem Blick über das Kamptal von der Aussichtsterrasse des Waldviertler Benediktinerklosters aus.

Das moderne Stiegenhaus, sagt Blaas, werde Teil einer von den Wiener Architekten András Pálffy und Christian Jabornegg entworfenen "optisch sehr feinen Lösung" zur Überdachung der Altenburger Ausgrabungsstätten sein. Ausgrabungen, die laut dem für Kunst und Kultur im Stift verantwortlichen Pater Albert Groiß "so prominent sind, dass wir fixe Ausstellungsräumlichkeiten brauchen".

Mönchszellen entdeckt

Nichts weniger nämlich als "ein Kloster unter dem Kloster" hätten archäologische Arbeiten auf den 1100 Quadratmeter großen Freiflächen vor der Stiftsfassade ans Tageslicht gebracht. Unter der nach Plänen Joseph Munggenasts im 18. Jahrhundert errichteten Barockanlage seien "sechs Mönchszellen, das mittelalter-liche Abtshaus und ein turmartiger Bau aus dem 13. Jahrhundert unter Abt Seyfried den Ersten" verborgen gewesen. Besser gesagt "vier Meter tief verschüttet": In der Zeit des Barock habe man die baulichen Klostervorläufer einfach "als Müllhalde benutzt", erläutert Groiß.

Nun aber soll das "alte Kloster" Teil der Gesamtanlage werden, soll eine fixe Überdachung das bisherige Provisorium aus Holz ersetzen. Das unter sieben Vorschlägen von einer Jury des Landes Niederösterreich Ende März ausgewählte Siegerprojekt - Kosten-punkt: rund 1,59 Millionen Euro - sieht als Dach eine Fläche aus gebundenem, später grasbewachsenem Kies vor.

Darin Glasplatten, auf dass natürliches Licht ins Mittelalterliche gelangt. Aber nicht zu viel, damit sich die Ausstellungsräume im Sommer nicht übermäßig aufheizen.

Das siegreiche Architektenduo hat Erfahrung in der Ausgestaltung archäologischer Räume: Nach Ausgrabung der alten Synagoge am Wiener Judenplatz planten und leiteten sie den dortigen Umbau der Ausstellungsräume. Auch in Stift Altenburg sind museale Nebenräume geplant, die, wie der Gesamtbau, im Herbst 2003 fertig gestellt sein sollen.

Ab dann soll die benediktinische Zeitreise mehr Besucher ins Kamptal locken als bisher. Auch, weil die "Verbindung dreier architektonischer Epochen - Mittelalter, Barock, Moderne" mutig und "sehr lebendig" sei, wie Blaas betont: ein Resultat "großer Aufgeschlossenheit" im Stift.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 4. 2002)

Von
Irene Brickner


WEB-TIPP:

www.stift-
altenburg.at

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