Hannelore Kohl - Ihr Leben

13. Mai 2005, 13:48
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Das Porträt einer starken Frau, die im Schatten ihres Mannes stand

Der berührende Abschiedsbrief von Hannelore Kohl an ihren Mann Helmut steht am Anfang des Buches: "Ich liebe Dich und bewundere Deine Kraft. Möge sie Dir erhalten bleiben. Du hast noch viel zu tun." Diese Zeilen sprechen für sich. Um so bedauerlicher ist, dass davor in drei Erklärungen deutlich gemacht wird, es gehe darum, der Frau des langjährigen deutschen Kanzlers, die im Juli vergangenen Jahres Selbstmord begangen hat, mit diesem Buch ein Denkmal zu setzen. Mitautor ist ihr jüngster Sohn Peter.

Dabei wird zwischen den Zeilen, in Nebensätzen deutlich, dass sie über ihren Tod hinaus über ihren Mann definiert wird. Bezeichnend ist jene Szene, in der geschildert wird, wie Helmut Kohl seiner Frau in das gerade neu erbaute Haus einen riesigen Schäferhund mitbrachte. "Obwohl Hannelore, die wie ihr Mann ein großer Tiernarr ist, lieber einen kleineren Hund gehabt hätte, ist es Liebe auf den ersten Blick."

Auch bei den Urlauben - die Kohls waren Dauergäste am Wolfgangsee - ordnete sie sich unter: "Sie liebt das Meer und sieht wenig Sinn darin, erst die Berge hinauf und wieder herunter steigen zu müssen. Aber auch später kann sie ihren Mann nicht zu einem Strandurlaub überreden."

Gleichzeitig wird deutlich, dass sie mitten im Leben stand, für ihre Familie kämpfte und ihre öffentlichen Aufgaben mit großem Engagement betrieb. Es ist das Porträt einer starken Frau, die im Schatten ihres Mannes stand. Wegen ihrer Lichtallergie im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten zu leben, dazu hatte sie nicht mehr die Kraft. Als der Altkanzler am 4. Juli 2001 in Berlin ein für ihn positives Gerichtsurteil feiert, nimmt sie in Ludwigshafen Tabletten und wacht nicht mehr auf. (Der Standard, Printausgabe, Alexandra Föderl-Schmid)

Dona Kujacinski/Peter Kohl
Hannelore Kohl. Ihr Leben
Droemer Verlag, München 2002
382 Seiten
20,50 €
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