Dem Wienerwald wird mit einer Ausstellung gehuldigt
Wien - Vor 1.000 Jahren wurde der Wienerwald im Rahmen einer
Schenkung von Kaiser Heinrich II. an die Babenberger erstmals
urkundlich erwähnt. Das Land Niederösterreich und die Stadt Wien
feiern dieses 1000-Jahr-Jubiläum mit einer Großausstellung in der
Kartause Mauerbach. "G'schichten aus dem Wienerwald. Vom Urwald zum
Kulturwald" stellt die Geschichte des Gebiets und seine ungewöhnlich
enge Verbindung von Natur- und Kulturraum dar. So kann man "den
Zauber des Waldes über die Kunst kennenlernen", wie es in einem
Pressegespräch im Historischen Museum der Stadt Wien
hieß, verbunden mit einem Ausflug in der Wiener liebstes
Erholungsgebiet.
Vom Ort des Unheimlichen, den nur Jäger, Räuber und Außenseiter
der Gesellschaft aufsuchten, zum Ziel idyllischer Landpartien im
Biedermeier und einem "allgemeinen Gesundheitsbad" (Peter Altenberg)
entwickelte sich der Wienerwald für seine Nutzer. Dass er noch immer
in seinem heutigen Umfang erhalten ist, verdankt der Wald unter
anderem der Tatsache, dass er für die Babenberger vor allem als
Jagdgebiet interessant war. Die vielen Klöster, die im Mittelalter
vor allem asketische Orden wie Zisterzienser und Kartäuser im
Wienerwald errichteten, wurden für die Babenberger aber auch das, was
die Kapuzinergruft für die Habsburger war: Zahlreiche
Babenbergerfürsten ließen dort ihre Grablegungen errichten.
Geschichte dokumentiert
Die Ausstellung dokumentiert sowohl die fortschreitende Besiedlung
des Gebiets, unterbrochen durch die Türkeneinfälle im 16. und 17.
Jahrhundert, als auch die verkehrstechnische Erschließung: Aus
strategischen Gründen legte man um 1730 mitten durch das Waldgebiet
die Reichsstraße an, die heute Bundesstraße 1 heißt. Im Zuge der
besseren Erreichbarkeit wurden auch die künstlichen
Landschaftsgärten, die adelige Familien zu Beginn des 19.
Jahrhunderts im Wienerwald anlegten, bald zu öffentlichen
Ausflugszielen. Und der Wald zu einer Inspirationsquelle für Musiker,
Maler und Dichter.
Mit Exponaten aus eigenen Beständen und Leihgaben aus dem In- und
Ausland gibt die Schau einen Überblick über die kunst- und
kulturgeschichtliche Bedeutung des Wienerwalds. Für die Mitglieder
der 1766 gegründeten Kupferstichakademie war er der ideale Ort für
Naturstudien, die Dramatiker im Biedermeier wollten ihn als Kulisse
für eine Freilichtbühne nutzen. Ein besonderes Highlight der
Ausstellung ist die Gegenüberstellung vom Meisterwerken der Malerei
im barocken Kaisersaal, mit Bildern von Georg Ferdinand Waldmüller
und Johann Christian Brand bis zu Emil Jakob Schindler und der Schule
von Plankenberg.
Merken muss man sich auf jeden Fall den Namen Joseph Schöffel. Dem
Mödlinger Bürgermeister ist es zu verdanken, dass der Wienerwald vor
100 Jahren nicht abgeholzt wurde. (APA)
Ausstellung in der Kartause Mauerbach, von 12. Mai bis
27. Oktober, geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Informationen unter Tel.
01/577 46 51