Schweiz fordert von Borer Auskunft über nächtlichen Frauenbesuch

31. März 2002, 16:39
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EDA will mögliche Beeinträchtigung der Arbeit des Botschafters in Deutschland prüfen

Bern/Berlin - Der Schweizer Außenminister Joseph Deiss hat vom schweizerischen Botschafter in Berlin, Thomas Borer, Auskunft über einen nächtlichen Frauenbesuch in der Botschaft verlangt. Das Berner Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte am Sonntag einem entsprechenden Bericht der Zeitung "SonntagsBlick".

Der Vorfall soll sich in der Nacht auf den 21. März zugetragen haben und von den Videoüberwachungskameras des deutschen Kanzleramtes festgehalten worden sein, wie das Blatt berichtete. Bei der Frau soll es sich um eine Visagistin eines Kaufhauses handeln, von der auch Aktfotos existieren. Ihr früherer Partner, der Vater ihres Sohnes, soll ein mehrfach vorbestrafter Betrüger sein, schrieb die Zeitung.

Das EDA hatte vom Vorfall keine Kenntnis. Deiss erwarte aber eine schnelle und klare Darstellung des Sachverhalts von Botschafter Borer, sagte EDA-Sprecher Ruedi Christen auf Anfrage. Geprüft soll insbesondere werden, ob der Vorfall die Arbeit des Botschafters beeinträchtigen könnte. Im Interview mit dem "SonntagsBlick" sagte er außerdem: "Botschafter haben auch ein Privatleben, und wir sind keine Moralapostel." Borer selber war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Er soll sich im Urlaub befinden.

Der Schweizer Botschafter in Berlin hatte in den vergangenen Jahren wiederholt für Aufsehen gesorgt und als Diplomat das EDA mit ungewöhnlichen Auftritten irritiert. So tauchte er im Herbst 1999 bei einer Party als "Herbst" verkleidet auf. Für Aufregung sorgte im Mai 2001 eine Fotoserie seiner texanischen Ehefrau Shawne Fielding, die die Zeitschrift "Max" veröffentlicht hatte.

Bereits Ende 2000 hatte Deiss Borer angewiesen, seine Medienauftritte einzuschränken. Die Ermahnung erfolgte, nachdem Borer sich in der Satiresendung "Viktors Spätprogramm" des Deutschschweizer Fernsehens abschätzig über den "Scorpions"-Sänger Klaus Meine geäußert hatte. Der 44-jährige Diplomat erhielt Ende Jänner in Deutschland den Orden wider den tierischen Ernst des Aachener Karnevalvereins. (APA)

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