Vorbereitungen für Bestattung der Königinmutter

31. März 2002, 09:44
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Trauerfeier in der Westminster Abtei - "Unsere Nation hat heute ihre Großmutter verloren"

London - In Großbritannien beginnen an diesem Ostersonntag die Vorbereitungen für die Beisetzung der Königinmutter. "Queen Mum" war am Samstagnachmittag im Alter von 101 Jahren auf ihrer Residenz in Windsor im Schlaf gestorben. An ihrem Sterbebett saß ihre Tochter, Königin Elizabeth II. (75). Das Goldene Thronjubiläum der Queen wird nun schon von zwei Todesfällen in der engsten Familie überschattet: Erst am 9. Februar war ihre jüngere Schwester, Prinzessin Margaret, an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Die Königinmutter hatte sich vor Weihnachten eine schwere Erkältung zugezogen, von der sie sich nicht mehr erholte. Ihr Sarg soll am heutigen Sonntag in die Royal Chapel von Windsor gebracht werden. Im Laufe der kommenden Woche wird sie dann - wie vor 50 Jahren ihr Ehemann, König George VI. - in der mittelalterlichen Westminster Hall, dem ältesten Teil der Parlamentsgebäude in London, aufgebahrt.

Dort kann die Bevölkerung von ihr Abschied nehmen. Die Trauerfeier wird in der Westminster Abtei abgehalten, wo die Nation 1997 auch Abschied von Prinzessin Diana genommen hatte. Beigesetzt wird die Königinmutter in der St. Georgs-Kapelle von Schloss Windsor. Der Tag der Bestattung wird voraussichtlich am heutigen Sonntag festgesetzt. "Queen Mum" hat genaue Wünsche für ihre Bestattung hinterlassen.

Prinz Charles (53), ihr "Lieblingsenkel", bekam die Todesnachricht in seinem Wintersport-Ort Klosters in den Schweizer Alpen. Er wollte am Sonntagmorgen mit seinen Söhnen William (19) und Harry (17) nach Großbritannien zurückfliegen. Die drei Prinzen seien "am Boden zerstört", teilte ein Sprecher mit. Charles hatte zu "Queen Mum" immer ein wesentlich engeres Verhältnis als zu seiner Mutter, Königin Elizabeth. Noch kurz vor seinem Abflug nach Klosters hatte er sie am Donnerstag zum letzten Mal besucht. Zu dem Zeitpunkt war ihr Zustand noch nicht Besorgnis erregend.

Auf dem Buckingham-Palast in London wehte die britische Fahne in der Nacht zum Sonntag auf Halbmast. Premierminister Tony Blair sagte, die Königinmutter sei ein "Symbol für die Anständigkeit und den Mut" Großbritanniens gewesen. Die frühere Premierministerin Margaret Thatcher sprach von einem "unersetzlichen Verlust für die ganze Nation." Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau würdigte "Queen Mum" als Vorbild. US-Präsident George W. Bush äußerte sich "tieftraurig".

Vor der Londoner Residenz der Königinmutter, dem Clarence House, und vor Schloss Windsor versammelten sich am Samstagabend zahlreiche Trauernde. Viele legten Blumen nieder. Auf einer Karte vor dem Buckingham-Palast stand: "Unsere Nation hat heute ihre Großmutter verloren." In London und Edinburgh sollten am Sonntagmorgen Kondolenzbücher ausgelegt werden.

Die Königinmutter war das beliebteste Mitglied der britischen Königsfamilie. Ihre Popularität stammte vor allem aus den Kriegsjahren. Damals weigerte sie sich, vor der befürchteten deutschen Invasion nach Kanada zu flüchten. Stattdessen hielt sie zusammen mit ihrem Ehemann, König George VI., in London aus, auch als Bomben auf den Buckingham-Palast fielen. Regelmäßig fuhr sie in die zerstörten Stadtteile Londons und sprach der Bevölkerung Mut zu.

Elizabeth Angela Marguerite Bowes-Lyon, wie sie mit vollem Namen hieß, wurde am 4. August 1900 noch zu Lebzeiten von Königin Victoria geboren. Sie entstammte einem alten schottischen Adelsgeschlecht und sah sich zeitlebens als Schottin. 1923 heiratete sie Prinz Albert, den zweitältesten Sohn von König George V. Als der unsichere Mann 1937 nach der Abdankung seines Bruders Edward VIII. den Thron bestieg, gab Elizabeth hinter den Kulissen den Ton an.

1952 starb der König im Alter von 56 Jahren an Lungenkrebs. Seine Witwe war von nun an die Königinmutter. Noch als 100-Jährige überstand sie einen Schlüsselbeinbruch. Doch als vor sieben Wochen ihre jüngere Tochter Prinzessin Margaret starb, war sie bereits so geschwächt, dass sie im Rollstuhl an der Trauerfeier auf Schloss Windsor teilnehmen musste und vor den Blicken der Öffentlichkeit abgeschirmt wurde. (APA)

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