Arafats Amtssitz in Ramallah - Gefängnis mit wechselnden Eigentümern

30. März 2002, 14:12
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"Al Mukata" wurde in den Zwanzigerjahren gebaut

Ramallah - Die israelische Armee hält seit Freitag das Hauptquartier von Präsident Yasser Arafat in Ramallah im Westjordanland besetzt. Damit wird der Welt die Machtlosigkeit des Palästinenserchefs vorgeführt. Zugleich verlor die palästinensische Autonomiebehörde eines ihrer letzten Symbole, nachdem bei israelischen Angriffen in den vergangenen Wochen bereits Arafats Hubschrauber und der Flughafen von Gaza zerstört worden waren.

Seit seiner Errichtung in den Zwanzigerjahrendes vorigen Jahrhunderts wird der drei Quadratkilometer große Gebäudekomplex, auf arabisch Al Mukata genannt, militärisch genutzt. Während der britischen Mandatszeit in Palästina diente das Areal der britischen Armee als Hauptquartier, zugleich befanden sich ein Gericht und ein Gefängnis für bis zu 400 Insassen in dem Gebäude.

Nach dem Abzug der Briten 1948 wurde Al Mukata von Jordanien übernommen, das hier neben Gefangenen auch Offiziere und deren Familien unterbrachte. Während des Sechstagekriegs 1967 fiel der Komplex in die Hände Israels. Die neuen Eigentümer richteten einen Kommandoposten zur Kontrolle des besetzten Westjordanlandes ein und sperrten in dem Gebäude aufständische Palästinenser ein.

Nach dem Oslo-Abkommen wurde Al Mukata 1994 Sitz der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA), darunter auch der Sicherheitsdienste. Arafat persönliche Büros befinden sich in einem neu gebauten Block im Inneren des Geländes. Wie die vormaligen Besitzer nutzten die Palästinenser den Komplex weiter als Gefängnis. Ironie des Schicksals: Seit Beginn der israelischen Belagerung von Arafats Hauptquartier im Dezember ist dieser hier selbst unfreiwillig zum Gefangenen geworden. (APA)

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