Schönborn verteidigt Kritik

30. März 2002, 14:15
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Zensurvorwurf sei "lächerlich"

Wien - Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn sieht die Kritik der Kirche an Haderers "Leben des Jesus" berechtigt, weil es dabei um die Qualität des Zusammenlebens gehe. Vorwürfe der letzten Tage, diese Kritik richte sich gegen die Meinungsfreiheit, bezeichnete Schönborn als "lächerlich". Er stehe selbstverständlich zur Meinungsfreiheit, die zu den demokratischen Grundrechten gehöre - dazu gehöre aber auch das Recht, dass die eigene Überzeugung geachtet werde, sagte Schönborn im ORF-Radio-"Journal zu Gast" am Samstag.

Umfragen, wonach die Kirche in der Krise sei, meinte Schönborn, im eigentlich Sinn des Wortes (griechisch für Gericht, Entscheidung) herrsche ständig Krise, auch die Gesellschaft habe immer zu entscheiden: "Weg Jesu" oder "Weg der Bequemlichkeit", Demokratie oder Spaßgesellschaft. Die christlichen Werthaltungen aber "sind nicht für alle selbstverständlich. Sie bedürfen der Überzeugungsarbeit".

Zu einem weiteren tagesaktuellen Thema, den Sexskandalen, die die Kirche international in Bedrängnis gebracht haben, verwies Schönborn auf eine neue Einrichtung der Erzdiözese Wien, die Ombudsstelle, der auch Therapeuten, Juristen und Psychologen angehören. Im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch in der Gesellschaft habe sich etwas geändert; es handle sich um kein "Tabuthema" mehr, auch nicht in der Kirche, und das sei "richtig so".

Die "erste Sorge" müsse in solchen Fällen den Opfern gelten. Die Priester stellten aber eine gefährdete Gruppe dar, man müsse dafür sorgen, dass sie angesichts des Zölibats nicht vereinsamen. (APA)

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