Niederlande: Drama um Sechsjährigen

30. März 2002, 16:04
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Nach sieben Stunden in 15 Metern Tiefe aus engem Rohr geborgen

Kerkrade - In einer dramatischen Rettungsaktion ist ein Sechsjähriger am frühen Samstagmorgen im niederländischen Kerkrade aus einem 15 Meter tiefen Plastikrohr befreit worden. Der Bub war beim Spielen in der Grenzstadt bei Aachen in das 30 Zentimeter enge, senkrechte Rohr gefallen. Es war Teil eines Entwässerungssystems für Regen. Überglücklich nahmen die Eltern den unterkühlten Sohn in die Arme. Dem Kind gehe es "sehr gut". Er werde das Krankenhaus in wenigen Tagen verlassen können, sagte ein Sprecher der Feuerwehr .

Über sieben Stunden war der kleine Oussama gefangen, bis zum Bauch im kalten Wasser, die Arme nach oben gestreckt, wegen der Enge fast bewegungsunfähig. Der Bub marokkanischer Herkunft hatte nach Angaben der Polizei vor der elterlichen Wohnung auf einem Gelände gespielt. Darauf befand sich die Öffnung des Rohrs als Teil eines unterirdischen Entwässerungssystems. Nach ersten Erkenntnissen fehlte auf dem Rohr eine Abdeckung.

Oussama fiel um 17.10 Uhr in das Rohr. Sein Freund schlug umgehend Alarm und setzte eine niederländisch-deutsche Hilfsaktion in Gang: Die niederländische Feuerwehr bat die Aachener Kollegen mit ihrer Spezialrettungsgruppe um Unterstützung. Ein Versuch, den Buben über ein Seil hochzuziehen, scheiterte. "Wir konnten ihm nicht deutlich machen, was er mit dem Seil tun soll", berichtete der Sprecher der Feuerwehr Süd-Limburg, Leon Eummelen.

Es gab nur eine Lösung: Das Rohr musste ausgegraben und Stück für Stück abgeschnitten werden. 75 Helfer von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk und Bauunternehmen gruben mit Baggern und Schaufeln bis zu einer Tiefe von rund zwölf Metern und sägten das Rohr ab. Fünf Bagger wurden bei Unternehmen geordert und Lastwagen, um die Mengen von Erdreich abzufahren. Die Feuerwehr pumpte über Schläuche Sauerstoff und warme Luft in das Rohr. Die Gefahr, dass das Kind in dem kalten Wasser lebensgefährlich unterkühlt, wurde mit jeder Stunde größer.

Eine andere Gefahr für den kleinen Oussama war die drohende Panik. Zwei Männer aus dem Aachener Spezialtrupp redeten per Funksprechgerät mit dem Buben, beruhigten, erklärten, was über der Erde passiert - stundenlang. Aus der Tiefe bekamen sie Antwort, zuerst klar und wach, dann träge.

Im Licht gleißender Scheinwerfer legten die Baggerführer das Rohr frei, ohne Pause. Innerhalb von Stunden entstand ein über zehn Meter tiefer Krater. Das frei liegende Rohr wurde abgesägt. Als nur noch zweieinhalb Meter die Helfer von dem Buben trennten, zogen sie ihn mit einer Schlinge heraus. Beifall brandete auf - um 00.30 Uhr. "Was für große Maschinen", waren die ersten Worte Oussamas, als er die vielen Bagger sah.(APA/dpa)

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